Alle der 12 Geschichten, die Rupert in diesem Buch präsentiert, sind total schräg. Manche mehr, manche weniger. Manche gefallen besser als andere, manche hätten kürzer sein können und manche länger. Da waren jedenfalls einige originelle Ideen dabei, die uns gut gefallen haben. Manches war auch absurd und seltsam. Wahrscheinlich muss man kurze Storys einfach mögen. Sie können eben nicht so packend sein wie ein Roman. Oft fangen die Geschichten ganz gewöhnlich an: Ava ist umgezogen und möchte mit einer Übernachtungsparty Freunde gewinnen. Ruben möchte einfach nur mehr Zeit mit seinem Vater verbringen. Rex hat Angst, sich in der Umkleidekabine umzuziehen, oder Evelyn, die die vielen Umarmungen der Familie am Feiertag als unangenehm empfindet. So steckt in manchen dieser Geschichten auch eine stärkende Botschaft: dass man nicht tun muss, was man nicht mag, oder dass man immer stolz auf sich sein darf. Was Rupert daraus für schräge Handlungen baut, ist schon absurd unterhaltsam. Nicht gruselig, aber oft lustig und nicht vorhersehbar. Wer würde schon ahnen, dass eine Geschichte über einen Mann, der gerne Sport auf seinem Fernseher schaut, damit endet, dass alles endet?
Die comicartigen Illustrationen im vertrauten Zeichenstil von Gregs Tagebüchern schwächen den Gruselfaktor zusätzlich, weil das Übernatürliche ins Alltäglich übertragen oder auf die Schippe genommen wird wie der Sensenmann, der erst durch Pech in der Liebe wurde, was er ist, oder das Zombiemädchen, das nur Anerkennung für seine Leistung wollte, aber auf ihr Aussehen reduziert wird. Außerdem wirkt es, als würde ein 12-jähriger Rupert am Lagerfeuer schaurige Geschichten erzählen, ganz getreu den Anfängen: Es war einmal .
Dementsprechend sind die Sätze kurz und funktional, ohne Ausschmückungen, wörtliche Rede oder Beschreibungen. Grusel ohne die passende Stimmung zu erzeugen, ist schwierig. Das könnte einigen den Gruselspaß kosten. Ein positiver Punkt ist aber, dass sich die eine oder andere Wortbedeutung, die noch unbekannt sein könnte, aus den Zeichnungen erschließen lässt. Außerdem ist das Buch optisch sehr leicht lesbar, auch weil auf wirklich jeder Seite Illustrationen sind. Dann die Kürze der Geschichten. Das gefällt nicht nur Lesemuffeln.
Fazit: Nicht mit 'Gregs Tagebücher vergleichbar, aber schräg genug, um zu gefallen, wenn man nicht zu viel erwartet. Wer es verrückt mag und Zombies, Geister, Aliens oder Mutanten cool findet, wird seinen Spaß haben.