Das geheimnisvolle Cover hat mich genauso wie der fantastische Farbschnitt schon begeistert angezogen und nachdem ich das Buch nun gelesen habe, kann ich bestätigen, dass der Inhalt hält, was sie versprechen! Eine magische Story, eine gefühlvolle, sapphische Liebesgeschichte, atemberaubende Gefahren, ungewöhnliche Wesen und mittendrin eine chaotische, aber liebenswerte Familie mit den verschiedensten Gaben. Die etwas düstere Atmosphäre des Settings in Schottland mochte ich sofort und konnte die etwas baufällige Villa am Rand einer Klippe direkt vor mir sehen.
Die Handlung hat mich von Beginn an gefesselt und ich konnte mich komplett in die Situationen von Emma und Talia hineinfühlen. Die Verzweiflung von Emma über den Tod ihrer besten Freundin Blair, ihre kaltherzige Mutter und das für sie unfassbare Geheimnis, was sie entdeckt hatte, waren so anschaulich beschrieben, dass ich ihren Schmerz deutlich gespürt habe. Ihre einzige Hoffnung war Talia, die als Medium eine Verbindung zu Blair herstellen könnte. Doch Talia, die mich stark an Wednesday erinnerte, war aus eigener Entscheidung wegen ihrer Gabe und ihrer außergewöhnlichen Familie eine Außenseiterin ohne Freunde und nicht gerade freundlich. Ich fand es sehr interessant, diese beiden unterschiedlichen jungen Frauen auf ihrem Weg der langsamen Annäherung zu begleiten und zu sehen, wie sich ihre am Anfang komplizierte Beziehung entwickelte. Außerdem stand lange Zeit die spannende Frage im Raum, ob Blairs Tod wirklich ein Unfall war oder ob doch ein Mord dahinter stecken könnte. Das ließ viel Raum für eigene Spekulationen, was mir immer seht gut gefällt.
Die Familie Underwood erinnerte mich an die Addams Family und mir gefiel die Dynamik zwischen den außergewöhnlichen Charakteren "unheimlich" gut. Sie waren mir direkt alle sympathisch samt ihrer magischen Kräfte. Auch ihre Temperamente waren sehr vielfältig und sorgten für abwechslungsreiche Unterhaltung. Die gutmütigen Kabbeleien untereinander waren sehr amüsant und sorgten für eine warmherzige Stimmung als Ausgleich für die bedrückenden Phasen, mit denen besonders Emma zu kämpfen hatte.
Ich empfand den Schreibstil als sehr angenehm und locker, wobei das Erzähltempo hoch genug war, um keine Langeweile aufkommen zu lassen, die Handlung aber trotzdem verständlich blieb. Außerdem habe ich die originellen Ideen der Autorin und die liebenswerten Details genossen, wie zum Beispiel die "empathische, fühlende Villa", die witzigen Gedankendialoge von Talia mit ihrer Nebelkrähe Herkules und das immer hungrige, magische Wesen von Talias kleiner Schwester Betty. Sie war mit ihrer unkonventionellen, quirligen Art auch mein liebster Nebencharakter.
Ich habe jede Seite dieses Buches geliebt und kann es nach der kurzen Ankündigung am Ende wie es weitergehen wird, kaum erwarten, noch mehr von der Familie Underwood zu lesen!