Mit The Sweet Chestnut Trouble hat Sonja Kaiblinger für mich einen wunderbar gemütlichen Cozy-Herbstroman geschrieben, in den ich mich beim Lesen richtig hineinfallen lassen konnte. Schon das Wiener Setting hat mir ausgesprochen gut gefallen. Das kleine Kaffeehaus von Anja vermittelt eine so urige und warme Atmosphäre, dass man am liebsten selbst dort sitzen, einen Kaffee trinken und dem Treiben draußen zuschauen möchte.
Besonders schön fand ich den Gegensatz zwischen dieser gemütlichen Kaffeehauswelt und dem hektischen Großstadtleben, das direkt vor der Tür stattfindet. Auch die Baustelle rund um die neue Kaffeekette Blonde Beans bringt ordentlich Bewegung in die Geschichte. Dazu kommen sympathische und interessante Figuren wie Anja und Finn, bei denen sich die Dinge angenehm langsam entwickeln. Gerade dieses ruhige Erzähltempo mochte ich sehr. Die Gefühle entstehen Schritt für Schritt und wirken dadurch nachvollziehbar und glaubwürdig, statt einfach plötzlich da zu sein.
Sehr gelungen fand ich außerdem die Chat-Nachrichten, die immer wieder in die Handlung eingebaut werden. Sie lockern die Geschichte auf und machen die Kommunikation zwischen den Figuren besonders interessant. Finn hat für mich eindeutig diese harte Schale, weicher Kern-Ausstrahlung, während Anja auf ihre eigene Art sehr sympathisch ist. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Zwischen den beiden entwickelt sich eine schöne Dynamik, bei der ich gerne mitgerätselt und mitgefiebert habe.
Auch einige besondere Details haben mir ein Lächeln entlockt. Allen voran die ungewöhnlichen Papagei. Franz und Josef, die für mich definitiv zu den Figuren gehören,, die man so schnell nicht vergisst. Und als dann auch noch Falco und die EAV erwähnt wurden, war meine Freude besonders groß. Die EAV ist nämlich meine absolute Lieblingsband.
Eine solche kleine persönliche Überraschung in einem Roman zu entdecken, hat das Leseerlebnis für mich noch schöner gemacht.
Neben all der Gemütlichkeit gibt es natürlich auch ernstere und berührende Momente, unter anderem rund um die Antiquitätenhändler aus Tschechien. Dadurch bleibt die Geschichte nicht nur romantisch und kuschelig, sondern bekommt auch etwas mehr Tiefe.
Für mich ist The Sweet Chestnut Trouble genau das richtige Buch für einen regnerischen Herbsttag: eine Tasse Kaffee, eine warme Decke, vielleicht ein Stück Kuchen und dieses Buch in der Hand. Die Wiener Atmosphäre, das Kaffeehaus, die sympathischen Charaktere und die langsam entstehende Liebesgeschichte haben mir viele gemütliche Lesestunden beschert. Ein schöner Cozy-Roman mit viel Wärme, Wiener Flair und einer Prise Herzklopfen.