In den 1920er Jahren bessern Pachtfarmer an der nordenglischen Küste von Yorkshire ihr Einkommen mit dem Erbeuten von Vogeleiern auf. Ein einträgliches Geschäft, denn die Eier hatten hohen Sammlerwert. Im unwegsamen Gelände der Metland-Farm gelingt es nur der schmächtigen sechsjährigen Celie sich an der windumtosten Klippe abzuseilen. Sie raubt ein besonders wertvolles, seltenes, rot gefärbtes Ei.
100 Jahre später verscherbelt Weird Nick die Dachbodenfunde aus dem Nachlass seines Vaters bei eBay, nichtsahnend, dass er ein wertvolles Lummen-Ei zum Verkauf bot. Noch in der Nacht wird er überfallen.
Belinda Bauers Erzählkunst macht diesen Thriller aus. Er ist nicht unbedingt spannend im klassischen Sinne aber so faszinierend, dass er hineinzieht in die verstörende Welt des Vogel-Ei-Sammelns. Auf zwei Zeitebenen verwebt Belinda Bauer historischen Roman und eine absurde Schnitzeljagd in der Gegenwart.
Der Handlungsstrang um Celie zwischen den Weltkriegen beschreibt eine unbarmherzige, englische Klassengesellschaft. Armut, männliche Dominanz, Antisemitismus und das obskure Versprechen des sozialen Aufstiegs sind Treibfedern für die unbeschreiblich schönen Szenen, in denen sich mittellose Menschen an den Klippen in Lebensgefahr bringen.
Mit psychologischem Feingefühl wandeln Belinda Bauers Charaktere auf dem schmalen Grat der moralischen Grauzonen, sie kontrastiert Obsession und Begeisterung, zeigt die fatalen Folgen zügelloser Gier.
Die Parallelen zur Gegenwart sind offensichtlich, ob unter dem Deckmantel des Vogel-Ei-Sammelns oder moderner Machtsymbolik. Das Ding der Unmöglichkeit ist einzigartig wie das Metland-Ei, abwechslungsreich und unglaublich interessant.
Durch die Vielzahl des Personals verlieren die Figuren emotionale Tiefe, die Brisanz entsteht um die einzigartige Thematik und ihre Bedeutung als historischem Gesellschaftsspiegel, der bis heute die Zeit in der wir leben, konturenscharf reflektiert.