"Der Fall Magritte" von Toni Coppers ist der Auftakt zur Reihe um Ex-Commissaris Alex Berger. Toni Coppers ist ein in Belgien sehr beliebter Autor und nun auch auf Deutsch erschienen, übersetzt von Florian Kranz. Dass der Autor in Belgien sehr beliebt ist, kann ich gut verstehen.
Alex Berger war früher einer der besten Ermittler bei der Brüsseler Mordkommission, bis ihm ein Schicksalsschlag den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Während er in Brüssel den Verbrecher John Novak verhört hat, ist seine Frau Camille einem Terroranschlag in Paris zum Opfer gefallen. Er gibt sich und Novak dafür die Schuld, trauert und verfällt dem Alkohol. Kurz nachdem Novak aus dem Gefängnis flieht, kommt es zu mehreren mysteriösen Todesfällen. Berger wird gebeten, bei den Ermittlungen zu helfen. Er stimmt zu, denn er will nicht nur die Fälle lösen, sondern auch Novak finden. Vor der Polizei!
Alex Berger war mir sofort sympathisch. Ja, er ist ein Mensch, der seelisch kaputt ist. Er ist in seiner Trauer um seine Ehefrau gefangen, was aber gut nachvollziehbar geschildert ist. Der Autor hat mich sowohl mit seiner Sprache als auch der Beschreibung der Charaktere sofort in seinen Bann gezogen. Wir begleiten Berger nicht nur durch Brüssel und Paris, sondern auch in die Welt der Kunst und insbesondere die Welt des Malers Magritte.. Der Täter in den Mordfällen hinterlässt bei seinen Opfern immer eine kleine Notiz mit dem Satz "Ceci n''est pas un suicide" (Dies ist kein Selbstmord), was an das Gemälde von Magritte "Ceci n'est pas une pipe" erinnert. Auch die gesichtslose Zurschaustellung der Opfer erinnert an die Werke des Malers. Die wenigen Sätze auf französisch im Buch stören überhaupt nicht, wer die Sprache nicht beherrscht, der wird eine Übersetzung direkt danach finden. Das Original ist auf flämisch verfasst, ich denke, dort wird es genauso sein? Im Krimi blitzt auch immer wieder leiser Humor durch. Die Zigaretten, die der französische Kolle Bergers raucht, haben schon eine witzige Bezeichnung... Wir haben es hier mit einem Krimi zu tun, der tiefer geht als reine Ermittlungen. Besonders Berger hat eine Wirkung auf mich gehabt, wie ich sie selten erlebt habe. Das Miterleben seiner Emotionen hat mich gleichzeitig gefesselt und traurig gemacht. Aber auch die anderen Charaktere sind gut und empathisch beschrieben, wenn auch das Hauptaugenmerk auf Berger liegt.
Ich hoffe, bald mehr von Coppers lesen zu können und zu erfahren, wie es mit Berger weitergeht. Ich habe diesen Krimi genossen, weil er von den üblichen Schilderungen traumatisierter Ermittler abweicht und tiefer geht. Dieser Krimi wird sicher zu meinen Jahreshighlights gehören. Nicht nur wegen der Tiefe der Figur Berger, sondern auch, weil ich viel über Maler Magritte lernen konnte!
Überzeugt 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!