Man kann das Meer lieben oder hassen, aber es wird immer da sein. Für immer. Das Meer ist und war der Mittelpunkt ihres Lebens.Es hat sie genährt und von ihr genommen, aber es hat sie nie verlassen.
Die Insel der Meeresfrauen erzählt von der Gemeinschaft der Haenyeo, den legendären Apnoetaucherinnen der koreanischen Insel Jeju, von der Freundschaft zwischen Young-sook und Mi-ja, sowie von Jahren des Krieges und ausländischer Besatzung. Es geht um Trauma, Schuld, den Kampf ums Überleben und die schwierige Frage, ob und wie Vergebung möglich ist.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Die erste beginnt in den 1930er-Jahren und begleitet die Figuren über mehrere Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Die zweite spielt im Jahr 2008 und enthüllt nach und nach Ereignisse aus der Vergangenheit, die zunächst ungeklärt bleiben. Diese Erzählweise hatte für mich eine starke Sogwirkung und machte die ohnehin emotionale und teilweise tragische Geschichte besonders spannend.
Besonders gefallen hat mir auch der Humor innerhalb der Frauengemeinschaft. Zwischen all den schweren Themen gibt es immer wieder trockene und pointierte Bemerkungen wie: So viel Wunschdenken, aber was kann man von einem Mann schon anderes erwarten? oder Nicht viele Männer können ohne Ehefrau auskommen, aber alle Frauen ohne Ehemann., und auch kluge Erkenntnisse: Doch so stark wir auch waren und so viel wir auch taten, keine von uns würde jemals ausgewählt werden, um den Fischereiverband des Dorfes zu leiten oder in den Dorfrat von Hado gewählt zu werden.
Neben diesen leichteren Momenten gibt es jedoch auch sehr heftige und brutale Gewaltszenen mit expliziten Beschreibungen von Kriegsverbrechen und Massakern. Diese waren für mich teilweise schwer auszuhalten und kamen unerwartet. Eine kurze Triggerwarnung wäre hier meiner Meinung nach sinnvoll gewesen.
Trotz all der Brutalität und Härte, trotz der grausamen und beklemmenden Kriegsschilderungen, überwiegt für mich am Ende die Geschichte von Widerstandskraft, Zusammenhalt und Gemeinschaft und vor allem von der Kraft der Freundschaft.
Die Insel der Meeresfrauen ist ein mitreißender, berührender und kraftvoller Roman, der koreanische Geschichte mit einer bewegenden Geschichte über Freundschaft, Schuld und Vergebung verbindet.