Eine starke Freundschaft, Klassismus, Geldsorgen und zwei Mädchen, die beschließen, ihre Probleme nicht einfach hinzunehmen: Daniela Dröschers Jugendroman "Mädchen allein zu zweit" erschien im Juli 2026 bei Silberfisch als Hörbuch. Die ungekürzte Fassung ist rund 4 Stunden und 34 Minuten lang und wird von Birte Schnöink gesprochen.
Zur Story
Im Mittelpunkt stehen Issa und Grace, zwei fünfzehnjährige Freundinnen, die aus sehr unterschiedlichen Gründen mit Grenzen konfrontiert werden. Issa erlebt zu Hause, wie existenzielle Geldsorgen das Familienleben bestimmen, während sie gleichzeitig ein Gymnasium besucht, an dem viele ihrer Mitschüler in einer vollkommen anderen finanziellen Welt leben. Grace wiederum leidet unter körperlichen Beschwerden und der Scham darüber, dass ihre Krankenkasse die notwendige Behandlung nicht übernehmen will. Als sich die Probleme zuspitzen, beschließen die beiden, selbst aktiv zu werden. Was zunächst nach einem gemeinsamen Plan klingt, entwickelt sich zu einer Reise, bei der sie immer wieder an moralische und gesellschaftliche Grenzen stoßen.
Meine Meinung
Besonders gut gefallen hat mir die Freundschaft zwischen den beiden. Issa und Grace sind keine Figuren, die einfach nur nebeneinander existieren. Sie geben einander Halt, widersprechen sich, entwickeln gemeinsam Ideen und nehmen ihre Probleme selbst in die Hand. Gerade diese Selbstverständlichkeit, mit der sie sich gegenseitig ernst nehmen, macht ihre Beziehung wirklich schön zu lesen.
Dabei fand ich vor allem die Confidence der beiden bemerkenswert. Das Buch erzählt nicht von Mädchen, die darauf warten, dass Erwachsene ihre Probleme lösen. Issa und Grace haben durchaus Angst, Zweifel und Unsicherheiten; aber gleichzeitig dieses Dann machen wir es eben selbst-Gefühl.
Sehr gelungen fand ich außerdem, wie selbstverständlich Klassismus in den Roman eingebunden wird. Issas Alltag macht deutlich, wie unterschiedlich Lebensrealitäten innerhalb derselben Schule sein können. Geld ist dabei nicht einfach ein Hintergrundproblem, sondern beeinflusst, welche Möglichkeiten Menschen haben, wie sie wahrgenommen werden und welche Entscheidungen ihnen überhaupt offenstehen.
Auch die Anspielungen auf Sylvia Plaths "Die Glasglocke" haben mir gefallen. Sie geben der Geschichte eine zusätzliche literarische Ebene, ohne den Jugendroman unnötig schwer wirken zu lassen.
Überhaupt schafft Daniela Dröscher eine gute Balance zwischen gesellschaftlichen Themen und einer Geschichte über zwei Freundinnen. Das Buch will etwas erzählen, ohne dass die Freundschaft dabei zur bloßen Verpackung für die Botschaft wird.
Ich höre eher selten Jugendbücher. Nachdem mich "Die Tasche" allerdings so stark erreicht hatte, wollte ich dem Genre wieder häufiger eine Chance gebe und Mädchen allein zu zweit hat mich darin durchaus bestätigt. Gerade weil die Geschichte zugänglich erzählt ist und trotzdem Themen wie Klassismus, körperliche Selbstbestimmung und gesellschaftliche Ungleichheit behandelt.
Mein größter Kritikpunkt ist deshalb gleichzeitig ein Kompliment: Ich hätte einfach gerne mehr davon gehabt. Mit rund viereinhalb Stunden ist das Hörbuch vergleichsweise kurz, und gerade das Ende kam für mich sehr abrupt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Geschichte an diesem Punkt wirklich auserzählt war. Birte Schnöink passt als Sprecherin gut zur Geschichte.
Fazit
Insgesamt ist "Mädchen allein zu zweit" für mich ein gelungenes Jugendbuch über Freundschaft, Klassismus und den Mut, sich nicht einfach mit den eigenen Lebensumständen abzufinden. Es ist klug, zugänglich und empowernd, ohne dabei die gesellschaftlichen Probleme aus dem Blick zu verlieren. Nur bitte beim nächsten Mal ein bisschen mehr davon. Danke an der Hörbuch Hamburg Verlag und an netgalley.de für das Rezensionsexemplar.