Cover & Klappentext
Das Cover ist gar nicht meins. Das liegt vor allem an der abgebildeten Hauptfigur, denn ich stelle mir Luce ganz anders vor. Die Ausstrahlung passt für mich nicht. Aber die Düsternis entspricht der Story.
Dafür konnte der Klappentext bei mir punkten. Zudem ist die Autorin keine Unbekannte für mich.
Dystopische Romane funktionieren bei mir zwar nicht immer, aber inzwischen lasse ich mich ganz gerne darauf ein.
Meinung
Die Generalstochter Luce Sinclair wächst in dem Wissen auf, dass sie keine eigenen Kräfte besitzt. Das macht sie zu einer Außenseiterin, aber damit hat sie sich abgefunden. Ihr Traum, Heilerin zu werden, zerplatzt, als sich bei einem brutalen Überfall doch ihre Gabe zeigt. Die gefürchtete Nekromantie.
Deswegen wird sie mit dem Rebellen Jax auf die Gefängnisinsel Exile Point verbannt, wo sie von den meisten ebenfalls geächtet wird. Das macht es schwer, Verbündete zu finden. Doch um zu überleben, bleibt ihr keine andere Wahl.
Wider Erwarten ist es ausgerechnet Jax, der ihr allmählich zur Seite steht. Als eine düstere Wahrheit über das Regime bekannt wird, muss Luce ihre gefürchtete Gabe meistern, obwohl sie diese niemals wieder anwenden wollte.
Aus der Sicht von Luce und Jax wird man durch das Geschehen geführt. Der Anfang hat es mir ein wenig schwer gemacht, weil ich keinen richtigen Zugang zu den beiden Hauptprotagonisten gefunden habe. Auch das Regime wirkte noch nicht greifbar. Kurzum, es gab nichts, an dem ich mich orientieren konnte.
Alles war düster und wenig einladend. In Kombination mit den anderen Punkten war ich zunächst ratlos. Hier sehe ich persönlich das Risiko, dass Leser abspringen könnten. Zum Glück habe ich das nicht getan.
Der Schreibstil war angenehm, überwiegend flüssig, bis auf ein paar Sätze, die mich etwas irritiert haben. Ansonsten überwiegen eine tolle Wortwahl und einige wunderschöne, eindringliche Abschnitte.
Diese Eindringlichkeit wurde im Verlauf immer stärker. Kombiniert mit dem flotten Tempo, das die Spannung zusätzlich befeuerte, wurde ich schließlich in die Handlung gesogen. Selbst wenn ich es gewollt hätte, ein Entkommen war unmöglich.
Nach dem anstrengenden Beginn hätte ich niemals damit gerechnet, ein solches Abenteuer mitzuerleben.
Das lag nicht zuletzt an den beiden Hauptprotagonisten, mit denen ich schließlich eine Verbindung herstellen konnte und die eine beispiellose Entwicklung hinlegten. Besonders Luce sticht in diesem Punkt hervor. Aus der zurückhaltenden, ängstlichen, kränklichen grauen Maus ist eine überraschend starke Heldin geworfen, die zwar immer noch mit Unsicherheiten zu kämpfen hat, aber sich inzwischen auch durchzusetzen weiß. Und das ohne ihre sanften, gutmütigen Kern zu verlieren.
Bei Jax ist die Weiterentwicklung nicht ganz so extrem. Man lernt ihn eher besser kennen. Wobei er aber auch zeigt, dass er nicht so verbohrt ist, wie es am Anfang scheint.
Das sieht man auch in der allmählichen Annäherung der beiden, obwohl Luce noch vor Kurzem auf Jax Abschussliste stand, und nicht zuletzt wegen ihrer Gabe.
Insgesamt wurde ich fabelhaft unterhalten, wobei das Ende das Ganze noch verstärkt hat.
Obwohl es einen Kritikpunkt gibt, der sich leider wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte zieht. Die Autorin hat mit Informationen meines Erachtens nach sehr gegeizt. Ich verstehe das Bedürfnis, den Leser bei der Stange zu halten. Anders würde ich es auch nicht haben wollen. Aber hier wird zum Teil ein Wissen vorausgesetzt, dass der Leser noch nicht haben kann. Eine Erklärung erfolgt gar nicht oder erst allmählich. Daraus resultieren vermutlich die zuvor erwähnten irritierenden Sätze.
Trotzdem kann ich die Fortsetzung kaum erwarten.
Fazit
Ein überraschend eindringlicher, spannender und gefühlvoller Roman, der den Leser früher oder später in seinen Bann zieht. Trotz Düsternis und Hoffnungslosigkeit schimmert gelegentlich ein Licht auf, das auf Besserung hoffen lässt. Das ist toll gelungen.
Ich vergebe sehr knappe vier von fünf Sternen und eine Leseempfehlung.