
Koloniale Überlegenheitsfantasien, die im 19. Jahrhundert einen zeitgenössischen Atlantis-Mythos als Archetyp »verschollener« Hochkulturen hervorbrachten, weisen eine bemerkenswerte Kontinuität in der kulturellen Enteignung vergangener und indigener Gesellschaften auf. In modernen Adaptionen haben »Ancient Aliens« die Rolle als Kulturbringer übernommen. Jens Notroff zeigt: Auch wenn die nationalistischen, völkischen und rassistischen Wurzeln dieser Erzählungen sich nicht immer auf den ersten Blick offenbaren, geht damit dieselbe ideologische Aneignung von Vergangenheit einher, die wesentlich das Fundament komplexer Verschwörungserzählungen stützt, mit denen das demokratische Gefüge unserer Gesellschaft unter Druck gesetzt werden soll.
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