THE ARTIST
Lucy Steeds
ET: 15.05.26
London, 1957:
Eine Frau steht in der National Gallery vor dem Gemälde Das Festmahl dem einzigen Werk des berühmten Künstlers Edouard Tartuffe, das einen verheerenden Brand unbeschadet überstanden hat. Während sie das Bild betrachtet, erinnert sie sich daran, wie sie einst selbst das Feuer gelegt hat.
Französische Provence, 1920:
Der in London lebende Journalist Joseph Adelaide erhält eine Einladung des gefeierten Malers Edouard Tartuffe, von allen nur Tata genannt. Er soll den Meister des Lichts in dessen Atelier in der Provence besuchen und interviewen. Doch bei seiner Ankunft stellt sich heraus, dass Tata von dieser Einladung nichts weiß. Der Künstler ist cholerisch, egozentrisch und hält Joseph für einen Niemand. Seine Geringschätzung zeigt er ihm bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Lediglich seine 24-jährige Nichte Ettie begegnet ihm mit etwas Freundlichkeit.
Joseph darf nur unter einer Bedingung bleiben: Er muss Tata Modell stehen. Sobald das Gemälde fertiggestellt ist, soll er das Haus wieder verlassen. In der Hoffnung, doch noch ein Interview zu bekommen, fügt sich Joseph den Vorgaben des Malers. Schon bald erkennt er jedoch, dass Tata nicht nur ihm gegenüber tyrannisch auftritt. Auch Ettie leidet unter der Kontrollsucht und den Wutausbrüchen ihres Onkels. Schweigend richtet sie ihm das Frühstück, ordnet seine Farben, kocht für ihn, erledigt die Einkäufe auf dem Markt und reinigt am Abend seine Pinsel. Seit Jahren kreist ihr gesamtes Leben um die Bedürfnisse dieses Mannes, und der Gedanke, ihn zu verlassen, scheint für sie unerreichbar.
Wie sich die Beziehung zwischen Joseph, Ettie und Tata entwickelt, ob Joseph sein Interview erhält und welche Verbindung zwischen den Ereignissen in der Provence und dem Brand viele Monate später besteht, müsst ihr wie immer selbst herausfinden.
Ganz langsam entfaltet sich eine Geschichte, die unaufhaltsam auf ein großes Drama zusteuert. Wer einen spannenden Pageturner erwartet, wird hier möglicherweise nicht fündig. Die große Stärke des Romans liegt vielmehr in seiner dichten Atmosphäre, den fein gezeichneten Figuren und den unterschwelligen Spannungen, die sich Seite für Seite aufbauen.
Ich durfte das Buch sowohl lesen als auch hören. Die Hörbuchsprecher*innen Sabrina Scherer und Lennard Hillmann haben mir ausgesprochen gut gefallen und die Geschichte sehr stimmungsvoll zum Leben erweckt.
Gerne empfehle ich euch dieses Buch.
4/5