Dieses Buch hat mich auf eine ruhige Art beschäftigt. Im Mittelpunkt steht Irma, eine alte Frau, deren Leben von den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts geprägt wurde. Krieg, Gewalt und die engen Vorstellungen ihrer Zeit haben Spuren hinterlassen. Trotzdem hat Irma sich ihre Freude am Leben und ihre Sehnsucht bewahrt.
Die Verbindung zwischen Irma und ihrer Tochter fand ich besonders interessant. Erst mit der Zeit wird deutlich, was die Mutter alles mit sich getragen hat. Für die Tochter ist es nicht immer einfach, auf das Leben ihrer Mutter zu schauen. Vieles lässt sich erst später einordnen. Dabei wird Irma immer mehr als Frau mit ihren eigenen Wünschen und Erfahrungen sichtbar und nicht nur als Mutter.
Eine Szene ist mir besonders nahegegangen. Irma tanzt noch einmal und wirkt dabei für einen kurzen Moment ganz leicht. Dieser Augenblick sagt für mich mehr über diese Frau aus als viele Erklärungen. Trotz ihrer schweren Erfahrungen ist da noch diese Freude, die sie sich bewahrt hat.
Die Geschichte ist nicht leicht, aber sie wird ohne große Worte erzählt. Einige Gedanken habe ich nach dem Lesen noch mitgenommen. Vor allem die Frage, wie wenig man manchmal über das Leben der eigenen Eltern weiß und wie spät manches erst verständlich wird.
Nicht jede Passage hat mich gleichermaßen erreicht, deshalb sind es für mich vier Sterne. Trotzdem ist es ein Buch, das einen Menschen und sein Leben sehr persönlich betrachtet. Irma mit ihrer Lebensgeschichte wird mir sicher noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. 4 Sterne