Ich war sehr gespannt, wie mir ein Buch helfen will, zu einem guten Körpergefühl zu gelangen. Und kann das eine Frau, die einer ganz anderen Generation angehört als ich mit meinen 57 Jahren? Eine Frau, die viel jünger ist, die in der Welt des Social Media und der Influencer*innen Zuhause ist? Voller Neugierde habe ich mir das Hörbuch Unshame von Louisa Dellert angehört.
Sofort begeistert hat mich die Sprecherin Luise Georgi. Sie hat eine angenehme warme Stimme, der ich immerzu lauschen könnte.
Inhaltlich wurde mir jedoch schnell klar, dass ich bei Unshame nicht viel finden würde, was ich für die Frauenwelt und mich als wichtig und richtig erachte. Habe ich als Kind mit Barbie gespielt, diese angezogen, ausgezogen, ihr stundenlang die Haare gekämmt? Ja! Auf jeden Fall! Ich bin jedoch nie auf die Idee gekommen, dass die Figur meiner Barbiepuppen irgendetwas mit meiner Figur oder mit meinem Aussehen zu tun hat. Ein anderes Hobby von mir als Kind war es, stundenlang, tagelang im Otto-Katalog zu blättern und mir vorzustellen, wie ich diese ganzen Kleider, Blusen, Hosen, Unterwäsche selbst besitze und trage. Doch auch hier bin ich nie davon ausgegangen, dass ich dazu aussehen muss, wie die Frauen im Katalog.
Es fällt mir auch schwer zu glauben, dass des Rätsels Lösung nun sein soll, dass ich andere nicht bewerten soll und um Himmels Willen keine Bewertungen mehr laut aussprechen bzw. an die Personen mehr adressieren soll, die auf ihren Accounts Fotos von sich posten. Lob und Kritik gehört im Leben dazu. Die Frage ist jedoch das Wie und auch das Wo.
Oft habe ich dem Hörbuch mit einem großen Fragezeichen in meinem Kopf gelauscht, genauso wie ich verwundert beobachte, dass sich meistens die Frauen wieder und immer wieder Schönheitsoperationen unterziehen, die ich von Natur aus perfekt finde. Am Ende ist nichts mehr von ihrem ursprünglichen Aussehen zu erkennen. Beides scheint mit meiner Lebenswirklichkeit wenig zu tun zu haben. Zudem fände ich es sehr wichtig, dass es eine ausgiebige öffentliche Diskussion darüber geben würde, dass der Magerwahn aus Hollywood nicht als Vorbild für unsere Körper herhalten sollte weder für weibliche noch für männliche. Das zumindest vermisse ich sehr und fände da den Begriff Shame oder Unshame vollkommen falsch gesetzt. Magersucht hat nichts mit der Freiheit des eigenen Aussehens oder Emanzipation zu tun.
Insgesamt kann ich der Argumentationslinie der Autorin nur in Teilen folgen, da sie sich nur bedingt mit meiner Lebensrealität deckt. Ob das nun eine Generationenfrage ist oder die Autorin einfach argumentativ ein wenig zu sehr an der Oberfläche fischt, überlasse ich anderen.