Hinweis: Wenn ihr die Reihe noch nicht kennt, startet unbedingt dort. In Mika Mysteries Das Werk des Dunklen Engels werden einige Ereignisse aus den ersten Teilen erneut aufgegriffen und weitergeführt, das könnte euch sonst die Lesefreude nehmen, falls ihr später die Bände lesen möchtet.
Diese Rezension bleibt spoilerfrei und konzentriert sich nur auf den aktuellen Fall.
Die Einstiegsszene von Mika Mysteries Das Werk des Dunklen Engels erinnert mich direkt an eine Szene in Mika Mysteries Der Ruf des Nachtraben, als sich Mika um die Betten der Kinder kümmert. Damals ist es die Bettwäsche, nun ist es Sommer und sie muss die Matratzen mit neuem Stroh befüllen. In beiden haust das Ungeziefer, im Winter sind es die Bettläuse, jetzt sind es Bettwanzen und Mäusekot. Mit diesem ungeschönten Blick auf das Stockholm des Jahres 1880 tauche ich schon nach den ersten Seiten wieder mühelos in die Geschichte ab.
Es geht auch sofort packend weiter, als Mika aus Angst vor der Polizei flüchtet. Der Grund dafür liegt in Mika Mysteries Die Spur der Meisterdiebin, weshalb ich die Bücher nicht unabhängig voneinander empfehlen kann. Es gibt einen starken Handlungsfaden, der sich über alle Bände spannt. Der Dunkle Engel wird schon im ersten Teil als urbane Grusellegende eingeführt und ich bin sehr gespannt, was sich dahinter verbirgt.
Das Wiedersehen mit den bekannten Nebenfiguren und natürlich mit dem mürrischen, aber liebenswerten Inspektor Valdemar Hoff erfreut mich sehr. Er ist neben Mika mein absoluter Lieblingscharakter. Er versucht ein guter Polizist zu sein, auch wenn es ihm die Obrigkeit nicht immer leicht macht. Er trägt ein dunkles Geheimnis aus seiner Vergangenheit mit sich herum, das in diesem Band gelüftet wird. Ich schätze seine Art, seinen Sinn für Gerechtigkeit und sein Gespür, wann er politisch sensibler agieren muss, ohne dabei sich oder Mikas Überzeugung zu verraten.
Er gibt Entwarnung für Mika und bittet sie direkt um Mithilfe, denn bei der wohlhabenden Familie Douglas ist die Tochter Beatrice spurlos verschwunden. Er soll diskret ermitteln und der Kontrast zwischen Mikas bitterer Armut und dem eleganten Zuhause von Beatrice gelingt Johan Rundberg meisterhaft. Hier zeigt sich schmerzhaft, wie unterschiedlich das Leben eines Menschen damals zählt, je nachdem, in welche Schicht er hineingeboren wurde.
Die Beziehung zwischen Valdemar und Mika hat sich vertieft und immer mehr kristallisiert sich heraus, dass er eine Art Vaterfigur ist. Die beiden vertrauen sich und ich liebe es besonders, dass Valdemar ihr stets auf Augenhöhe begegnet. Er ist für Mika da und unterstützt sie, wo er nur kann, während sie ihm mit ihrer scharfen Beobachtungs- und Kombinationsgabe hilft.
Beim Lesen vergesse ich manchmal, dass Mika erst zwölf Jahre alt ist. Auf mich wirkt sie wesentlich reifer, was aber auch den harten Umständen ihres Lebens geschuldet ist. Dennoch blitzen hin und wieder kindliche Emotionen auf, denn Mika kann nicht immer nur stark sein und sehnt sich auch mal nach Geborgenheit und Schutz.
Im Verlauf von Mika Mysteries Das Werk des Dunklen Engels wird ein weiterer Handlungsfaden gesponnen, als Mika von der Gang-Chefin Tekla zu einer Baustelle mit vielen Kinderskeletten geführt wird. Diese Szene trifft mich besonders, weil sie eine bedrückende Atmosphäre entfaltet, die lange nachhallt. Gleichzeitig schwebt über all dem noch Mikas persönlichste Suche nach ihrer eigenen Herkunft, die mich seit dem ersten Hinweis in Mika Mysteries Der Ruf des Nachtraben nicht mehr loslässt.
Johan Rundberg schafft es mit seinem präzisen und schonungslosen Schreibstil, mich völlig in diese Geschichte einzubinden. Ich begleite Mika unheimlich gern bei ihren Ermittlungen und in ihrem Alltag. Ungeschönt erhalte ich einen Blick, wie die damaligen Lebensumstände waren, und doch ist auch Platz für Leichtigkeit und Witz.
Ich mag, wie atmosphärisch dicht Johan Rundberg schreibt, sodass das historische Stockholm vor meinem inneren Auge lebendig wird. Ein tolles Extra ist die Karte im Buch, mit der ich Mikas Wege kreuz und quer durch die Stadt mitverfolgen kann.
Die Spannung ist konsequent hoch und das Tempo rasant. Die unerwarteten Wendungen sorgen zudem dafür, dass ich völlig gebannt von den Ereignissen bin. Die Erzählstränge werden gekonnt zu einem großen Ganzen verschmolzen. Dazu trägt auch das düstere historische Thema bei, das der Grusellegende nun echte Gestalt verleiht. Mich bewegt unheimlich, dass die Erzählung dabei auf einfache Gut-Böse-Klischees verzichtet. In einem kurzen Moment wird versucht, die menschlichen Abgründe hinter den Gräueltaten zu zeigen, ohne sie in irgendeiner Weise zu beschönigen oder zu entschuldigen. Dieser ehrliche Blick auf die Vergangenheit lässt mich ziemlich berührt zurück.
Sehr spannend ist für mich, was Mika über ihre Herkunft herausfinden kann. Das Finale ist extrem packend und ich freue mich, dass einige Fragen stimmig und schlüssig aufgelöst werden. Andere wiederum sind noch nicht auserzählt und befeuern meine Vorfreude auf den vierten Band.
Fazit:
Mika Mysteries Das Werk des Dunklen Engels begeistert mich mit der Mischung aus harter historischer Realität, der warmherzigen Beziehung zwischen den Protagonisten und den spannenden Fällen. Ein echtes Highlight und eine klare Leseempfehlung.