Sato Reang erlebt in seinem indonesischen Dorf eine fröhliche und unbeschwerte Kindheit, den Kopf voll mit Fußball, Grillenkämpfen und bitterböser Streiche. Diese Kindheit findet ein jähes Ende, als sein Vater, ihn, den erzieherisch Unkontrollierbaren, in ein Leben zwingt, das von islamischer Frömmigkeit geprägt wird.
Jahrelang gehorcht er widerwillig. Das Beten macht ihm einen Strich durch die Freuden des Teenagerdaseins. Kein Kino, keine Freundin, keine Feiern. Dennoch folgt er der religiösen Routine. Er vermisst die Freiheit, die Wut gegen seinen Vater beginnt zu schwelen. Er schwört, kein frommes Kind mehr sein zu wollen und andere mit sich in den Abgrund des Lasters zu ziehen.
Bellende Katzen ist eine laute Coming-of-age-Geschichte. Sato Reang hinterfragt die Erziehungsmaßnahen seiner Eltern, strebt nach Eigenständigkeit, widerspricht den strengen religiösen Moralvorstellungen. Sobald er jedoch sein Leben selbst in die Hand nimmt, trifft er äußerst fragwürdige Entscheidungen und wirft seine moralischen, ethischen und sozialen Grundsätze spektakulär über Bord.
Eka Kurniawan wählt einen fliegenden Wechsel aus erster und dritter Person, spiegelt den Kontrollverlust in der Sprache, wechselt Perspektive und Tonalität. Beide Erzählperspektiven sind wütend, wild und laut, doch ist die Ich-Perspektive noch unmittelbarer, unreflektierter und zorniger.
Bellende Katzen erzählt frech, mutig und mit einer großen Prise Ironie von der brodelnden Wut des Teenagers, wilden Emotionen, unlogischen Entscheidungen und Rebellion. Dahinter steht ein großes gesellschaftliches Thema. Autoritäre Machtstrukturen unterdrücken die Fähigkeit Sato Reangs zur Artikulation, seine Absage an starre Erziehungsmuster, Fremdbestimmung und unzureichenden Traditionen entlädt sich in unkontrollierter Wut.
Der schwelende Generationenkonflikt entpuppt sich zu einer finsteren Spirale, erzählt mit unnachahmlichen Sprachbildern, dynamischer Energie und unmittelbarer jugendlicher Grausamkeit. Wer mit so viel Humor und Tempo von Schmerz, Haltlosigkeit und dem Verlust der Kindheit schreibt, muss gehört werden.