Wenn schon Cover, Titel und Klappentext dunkel an Michael Endes Momo erinnern und der Autor sogar schon eines von dessen Fragmenten vollendete, weckt das Erwartungen. Hält Juli im Land der Zeitgeister sie?
Die Uhren stehen still auf 14:30 Uhr und auch alle Menschen. Nur Juli nicht und sie will sich damit auch nicht abfinden. Glücklicherweise bekommt sie Unterstützung, und zwar von einem Uhrmacher und dem Zeitgeist Trim. Um der Sache auf den Grund zu gehen bzw. die Uhren wieder anlaufen zu lassen, begeben sich die drei ins Land der Großen Uhr (ja, ziemlich genau das, was man sich vorstellt: ein Land auf dem Zifferblatt einer Uhr). Dort treffen sie auf weitere Unterstützer, die ihnen bei ihren Abenteuern helfen doch werden sie es schaffen, die Uhren wieder zum Laufen zu bringen?
Dass das nicht verraten wird, dürfte klar sein. Ja, viele Aspekte der Handlung erinnern an Momo, und sei es nur wegen des Zeitbezugs. Doch wo Momo vergleichsweise düster war, siegt hier die Fantasie: Es geht bunt zu und das Buch wirkt fröhlicher, kindgerechter. Das liegt sicher an niedlichen Figuren wie Trim, vor allem aber am sowohl bildhaften wie auch humorvoll-kurzweiligen Schreibstil Wieland Freunds. Man kann sich die Geschichte wunderbar (verfilmt) vorstellen, was wiederum nicht nur am Schreibstil, sondern auch an den zauberhaften Illustrationen an den Kapitelanfängen bzw. der Karte des Landes im Vorspann liegt. Mit Juli schafft Freund eine sympathische, aufgeweckte Protagonistin, mit der insbesondere die Zielgruppe sicher gern mitfiebert und das kann sie, denn die Spannung ist dank zahlreicher Wendungen hoch. Und da es auch noch eine Moral von der Geschicht gibt (Hoffnung nicht aufgeben, es lohnt sich zu kämpfen, Zeit ist wertvoll, Gemeinschaft/Freundschaft bringen einen weiter ) lernt man nebenher noch etwas. Alles in allem greifen die Elemente von Juli im Land der Zeitgeister ineinander wie die Zahnrädchen einer Uhr, sodass das Buch durchaus empfehlenswert ist allerdings an Momo nicht heranreicht, weshalb es 4 Sterne gibt.