Zufluchtsorte sind politische Räume. Laurin Mackowitz untersucht Zufluchtsorte als Grenzräume, in denen soziale Ungleichheit, ökologische Zerstörung und historische Gewalt sich mit einer Politik des Rückzugs und der Immunisierung verknüpfen.
Zufluchtsorte sind politische Räume. Besonders in Gebieten, die stark von Umweltzerstörung und historischer Gewalt betroffen sind, sind Zufluchtsorte Schauplätze sozialer Selektion, wobei der Zugang zu Sicherheit und Rettung nicht willkürlich, sondern von wirtschaftlichen und politischen Überlegungen geleitet ist. Die Kalkulation von Pannenbuchten auf Autobahnen, die Genehmigung von industriellen und militärischen Infrastrukturen oder die Anerkennung von Opferstatus und Schutzbedürftigkeit gehorchen einer Logik des Überlebens und Sterbenlassens. In diesem Essay untersucht Laurin Mackowitz Zufluchtsorte als Grenzräume, in denen soziale Ungleichheit, ökologische Zerstörung und historische Gewalt sich mit einer Politik des Rückzugs und der Immunisierung verknüpfen. Anhand von historischen, literarischen und zeitgenössischen Schauplätzen zeigt der Essay, in welchen Räumen sich Bedrohung und Rückzug, Angst und Sicherheit, Opferrolle und Zuflucht vor dem Horizont gesellschaftlicher und ökologischer Krisen gegenseitig verstärken. Gleichzeitig wird gezeigt, dass Zufluchtsorte als Orte der Reflexion, der Versöhnung, der Solidarität oder des Widerstands konzipiert werden und inwieweit Zufluchtsorte auch als utopische Reste inmitten dystopischer Verhältnisse verstanden werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begraben im Bau
3 Zufluchtsmaschinen und Bunkerpädagogik
4 Rettungsbootskapazitäten
5 Blockhüttenfortschritt
6 Der Sturmkeller im Kino
7 Gefahren- und Gewaltgebiete
8 Globalisierung des Belagerungszustands
9 Zufluchtsstädte im Deportationsregime
10 Poetik des Überlebens
11 Resümee und Fazit