Nach langem Warten ist nun endlich ein neuer Roman von John Green erschienen, der sich, ganz in der Tradition des Autors, erneut als eine emotionale Liebesgeschichte entfaltet, diesmal jedoch vor einer besonders schillernden Kulisse angesiedelt ist. Anders als in seinen bisherigen, weltbekannten Werken, die vor allem mit Teenagern und Schülern in den Hauptrollen funktionieren, stehen im Zentrum dieses Buchs zwei junge Schauspieler, deren Lebensrealität sich drastisch von der normaler Jugendlicher unterscheidet.
Die Handlung dreht sich im Wesentlichen um die Protagonisten Juniper und Kai, die sich am Set zu den Dreharbeiten eines anspruchsvollen Andy-Warhol-Biopics kennenlernen, wo sie schnell eine tiefe, von gegenseitiger Faszination geprägte Bindung zueinander aufbauen. Dabei spielt der Roman bewusst mit dem Dilemma, dass sich diese zarte Liebesgeschichte vor den Augen der gesamten Weltöffentlichkeit entfalten muss, und thematisiert auf eindringliche Weise den zerstörerischen Einfluss moderner Medien auf die Privatsphäre sowie die Intimität zweier junger Menschen. Es wird die fundamentale Frage aufgeworfen, wie hoch der Preis ist, den beide für den ersehnten Erfolg in der Traumfabrik zahlen müssen, und ob der Ruhm am Ende die emotionalen Opfer überhaupt wert ist. Erschwert wird die Situation zusätzlich durch Kais tragische Vergangenheit, die im Buch nur stückweise offenbart wird, dann jedoch den ohnehin schon unerbittlichen Umgang mit der medialen Aufmerksamkeit auf eine extrem strapaziöse und psychisch belastende Ebene lenkt.
Das psychologische Gefüge der beiden Protagonisten bleibt über weite Strecken seltsam blass und trägt erheblich dazu bei, dass man als Leser kaum eine echte emotionale Verbindung zu ihnen aufbauen kann. Während Juniper als klassische, fast schon neurotische Streberin gezeichnet wird, die ihren gesamten Selbstwert manisch an den beruflichen Erfolg koppelt und in Momenten des Scheiterns sofort in existenzielle Panikattacken verfällt, verkörpert Kai das exakte Gegenteil: einen passiven, vom eigenen Talent überforderten Melancholiker, der sich am liebsten in die Anonymität flüchtet. Ihre Beziehung zueinander charakterisiert sich daher weniger durch eine reife, gesunde Liebesdynamik, sondern gleicht vielmehr einer ungesunden Symbiose zweier seelischer Wracks, die ihre tief sitzenden Kindheitstraumata aneinander abarbeiten. Statt echter Intimität herrscht zwischen ihnen eine lähmende Sprachlosigkeit, die durch ständige, pseudo-intellektuelle Film- und Literaturzitate überspielt wird, wodurch ihre Annäherung seltsam künstlich wirkt. Green versucht hier zwar, die Tragik zweier verletzter Seelen im goldenen Käfig zu inszenieren, verheddert sich jedoch in klischeehaften Phrasen über Einsamkeit und Vertrauen, sodass die vermeintlich tiefgründige Psychologie der Figuren letztlich an der glatten Oberfläche der hollywoodtypischen Melodramatik hängenbleibt.
Das eigentliche Thema des Romans ist zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig, weshalb ich bereits von der ersten Seite an skeptisch war, da die oberflächliche Welt von Hollywood und der Starkult eigentlich überhaupt nicht mein Fall sind. Greens ambitionierte Bemühung, den harten Weg zum Erfolg zweier junger Menschen mit dem gleichzeitigen Erleben einer großen Liebe, einer traumatischen Vergangenheit und den oft unethischen Mechanismen der Filmbranche zu verknüpfen, ist leider nicht immer von Erfolg gekrönt. Dieser allgegenwärtige Zwiespalt zwischen Schein und Sein, der die gesamte Struktur Hollywoods durchzieht, wird im Roman zur zentralen Zerreißprobe für das Leben der Schauspieler, die ihre eigene Identität zunehmend an eine perfekt kalibrierte Kunstfigur verlieren. In der Traumfabrik verkommt jede authentische Regung zum medienwirksamen Produkt, was sich auf tragische Weise im Leben und in der Beziehung der beiden Protagonisten widerspiegelt, die unfähig werden, ihre echten Gefühle von den marketingtechnischen Erwartungen des Studios zu trennen. Auch die brutale Ausschlachtung von Kais Vergangenheit als gute Promo oder Junipers öffentlicher Umgang mit ihrer alkoholkranken Mutter zeigen, wie traumatische Realitäten skrupellos zu fiktionalem Content geschmiedet werden, um den Kartenverkauf anzukurbeln. Selbst intime Momente, wie das gemeinsame Weinen vor dem Fernseher oder das schüchterne Händchenhalten, sind im Roman stets von der Angst überschattet, bloß eine weitere Performance für das Content-Monster zu sein, sodass die beiden am Ende fast vollständig in der künstlichen Distanz zwischen ihrem echten Leben und ihrer medialen Existenz gefangen bleiben.
In seiner Breite an Themen wirkt der Roman dabei aber extrem konstruiert und in seinen Wendungen allzu vorhersehbar, was sich besonders im Gefüge der Machtkonstellationen zeigt. Die Medien sowie das gierige Filmstudio fungieren hier zusammen mit dem eingesessenen, manipulativen Starschauspieler Matthew als die klassischen Bösen, die gezielt einen Keil zwischen die aufkommende Liebe von Juniper und Kai treiben wollen, um Profit zu generieren.
Ich habe John Green ehrlich gesagt noch nie als einen herausragenden literarischen Autor angesehen, doch während seine früheren Werke zumindest als reine Jugendbücher in ihrer manchmal frechen, manchmal zarten Art gut funktionierten, stößt Green bei diesen etwas älteren Hauptfiguren sichtlich an seine erzählerischen Grenzen. Die Geschichte kommt über weite Strecken nicht wirklich in Fahrt, der mediale Terror auf die beiden Protagonisten wirkt vorhersehbar sowie künstlich aufgebauscht, und da man ähnliche Berichte über die dunklen Seiten des Showbusiness schon häufig aus der realen Branche gehört hat, empfindet man das ganze glitzernde Drum und Dran von Hollywood schnell als ermüdend und nervig.
Am Ende stellt »Hollywood, Ending« wohl den bisher schwächsten Roman von John Green dar, der sicherlich eingefleischte Fans des Autors noch gut unterhalten wird, aber ansonsten abseits des Mainstreams wenig Beachtung verdient hat.