Eine Halbinsel der verlassenen Häuser und ein Buch voller Menschen, berühmter und weniger berühmter so könnte man diesen preisgekrönten und von der Presse einhellig gefeierten Bestseller über den spanischen Bürgerkrieg benennen.
Doch der Roman des jungen spanischen Romanciers ist weitaus mehr: David Uclés ist Enkel und Urenkel derer, die diesen tragischen Krieg zu Beginn des 20. Jahrhunderts miterlebt haben. Er nimmt sich das Recht, beide Parteien für ihre Untaten anzuprangern und erlaubt sich zugleich die künstlerische Freiheit, mit Mitteln der Literatur zu erkunden, was es bedeutet, wenn Nachbarn, Freunde, Söhne, Geschwister zur Waffe greifen, um ihre Nächsten zu töten.
Uclés benennt diesen Krieg akribisch und sprachgewaltig. Er führt uns mit seinen Romanfiguren an alle wichtigen Schauplätze, um das Geschehene zu rekapitulieren, es nachzuempfinden und uns die zerstörerische, brutale Natur von Krieg begreiflich zu machen. Ein monumentales Werk, aber auch eine kreative Eruption, ein Schelmenstück auf großer Leinwand, ein Sight-Seeing-Trip ins Desaster, und ein Summasummarum der spanischen Kultur.
Hier ist also die gesamte Geschichte des spanischen Bürgerkriegs und einer sterbenden Iberischen Halbinsel, wo das Fantastische die Härte des Realen untermauert, wo die namenlosen Mitglieder eines weitverzweigten Clans von Olivenbauern aus Jándula ihre Schicksale mit denen von Alberti, Lorca und Unamuno kreuzen; Rodoreda, Zambrano und Kent; Hemingway, Orwell und Bernanos; Picasso und Mallo; Azaña und Foxá; wo sich das Epische und Brauchtum verflechten, um einen gewaltigen Teppich zu weben: poetisch und grotesk, schön und wahnsinnig!