Judith von Franken wächst als Urenkelin Karls des Großen in einer Zeit auf, in der Herkunft und Macht über das Leben eines Menschen entscheiden. Schon mit zwölf Jahren wird sie verheiratet und zur Königin der Angeln und Sachsen gekrönt. Von ihrer hohen Stellung hat sie allerdings wenig. Andere bestimmen über ihre Zukunft und erwarten, dass sie sich den Wünschen ihrer Familie fügt.
Als ihre beiden Ehemänner sterben, kehrt Judith an den Hof ihres Vaters zurück. Den Titel einer Königin darf sie zwar behalten, doch wird er für sie zunehmend zur Belastung. Sie soll erneut verheiratet werden, weigert sich aber. Daraufhin lässt ihr eigener Vater sie einsperren. Viele Jahre verbringt Judith hinter Mauern, bis ihr schließlich die Flucht gelingt. Nach all den Jahren muss Judith nun selbst sehen, wie es für sie weitergeht.
Beim Lesen bekommt man ein gutes Bild vom Leben im frühen Mittelalter. Hunger, Überfälle der Wikinger und kriegerische Auseinandersetzungen gehören ebenso zum Alltag wie Feste an den Königshöfen, Falkenjagden und politische Verhandlungen. Heiraten dienen vor allem dazu, Bündnisse zu schließen. Was die Frauen selbst wollen, spielt dabei kaum eine Rolle. Auch innerhalb der Herrscherfamilien gibt es Streit und viele Auseinandersetzungen um die Macht.
Judiths Leben zeigt, dass Frauen damals kaum selbst entscheiden konnten, welchen Weg sie einschlagen wollten. Das galt selbst dann, wenn sie aus einer bedeutenden Familie stammten und einen Königstitel trugen. Immer wieder muss sie sich mit den Entscheidungen anderer auseinandersetzen und einen eigenen Weg finden. Dabei ist sie keine Figur ohne Fehler und handelt nicht in jeder Situation gleich.
Erschreckend fand ich, wie selbstverständlich andere über Judiths Leben verfügten. Der Unterschied zwischen ihrem königlichen Rang und ihrer tatsächlichen Abhängigkeit wird dabei sehr deutlich.
Christiane Dieckerhoff verbindet Judiths Lebensgeschichte mit den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen ihrer Zeit. Durch die vielen Ereignisse und Machtkämpfe muss man stellenweise aufmerksam lesen. Gleichzeitig erfährt man einiges über die damaligen Lebensbedingungen und die Stellung der Frauen.
Insgesamt ist es eine interessante Lebensgeschichte über eine Frau, die trotz ihrer königlichen Herkunft lange um ein selbstbestimmtes Leben kämpfen muss. 4 Sterne.