Liebe Leserinnen, liebe Leser, die Quantenmechanik befindet sich in einem paradoxen Zustand. Einerseits ist seit dem Jahr 1925 klar, wie sie funktioniert - zumindest mathematisch. Längst prägen ihre Anwendungen den Alltag. Andererseits gibt es seit 100 Jahren keine anschauliche Deutung der Theorie. Noch immer ist die Antwort auf die Frage, was Quanten eigentlich sind, in der Fachwelt heftig umstritten. Woran liegt es, dass selbst die größten physikalischen Genies die Quantenmechanik nicht verstehen? Der niederländische Nobelpreisträger Gerard 't Hooft unterstellt seiner Zunft fehlenden Mut, grundlegend neue, bodenständigere Herangehensweisen auszuprobieren. In der Tat haftet der Quantenphysik oft ein verführerischer Mystizismus an, und quasireligiöses Staunen behindert einen nüchternen Diskurs. Schon vor 100 Jahren meinten viele: Eine Theorie muss nicht mehr liefern als hochpräzise Vorhersagen. Aber sollten wir deswegen gleich den Anspruch aufgeben, mit ihr die Realität beschreiben zu können? Vielfältige Denkanstöße wünscht Ihnen Mike Zeitz, Spektrum der Wissenschaft.