Wilhelm Meister, Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, will dem engen Rechnen und Handeln des Bürgerhauses entfliehen. Die Liebe zur Schauspielerin Mariane und die Begeisterung für das Theater treiben ihn hinaus in die Welt. Er schließt sich einer fahrenden Komödiantentruppe an, träumt davon, dem deutschen Theater eine nationale Bühne zu schaffen, und gerät unter bunte, oft zweifelhafte Gestalten: die kokette Philine, den schwermütigen Harfner, vor allem das rätselhafte Kind Mignon, dessen Lied "Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?" zu den berühmtesten Versen der deutschen Dichtung gehört.
Was als Künstlerlaufbahn beginnt, wird zur Schule des Lebens. Über Irrtümer, Verluste und Enttäuschungen reift Wilhelm langsam zu sich selbst. Im Kreis der geheimnisvollen "Turmgesellschaft" erkennt er, dass nicht die Bühne, sondern das tätige Leben in der Gemeinschaft sein wahres Ziel ist und dass sich Bildung nicht im Streben nach einem fernen Ideal, sondern im Annehmen der eigenen, begrenzten Wirklichkeit vollendet.
Mit "Wilhelm Meisters Lehrjahre" (1795/96) schuf Goethe den Prototyp des deutschen Bildungsromans ein Werk, das Generationen von Dichtern und Denkern geprägt hat. Eingebettet sind die "Bekenntnisse einer schönen Seele" und Lieder von zeitloser Schönheit. Hans Jochim Schmidt liest den vollständigen Roman in seiner ganzen erzählerischen Fülle.