Wie Autor und Historiker Bart van Loo selbst ein wenig ironisch anmerkt, füllen Biografien und Romane über Napoleon Bonaparte (1769-1821) mehrere (Kilo)Meter Bücherregale. Wozu dann noch ein weiteres Buch schreiben? Nun, auch mehr als 200 Jahre nach seinen Tod tauchen in diversen Archiven noch bislang unveröffentlichte Originalquellen auf, die es zu verwenden gilt.
Wer ist nun die Zielgruppe dieses Sachbuchs? Vermutlich jene Leserinnen und Leser, die sich noch nicht, so wie ich durch Dutzende Napoleon-Biografien gelesen haben. Ich persönlich habe jetzt nicht viel Neues erfahren. Allerdings erzählt der Autor die Lebensgeschichte eines Mannes, der mit grenzenlosem Ehrgeiz einen gewaltigen Höhenflug auf Kosten anderer und einen ebensolchen Absturz hingelegt hat, in einem lockeren Plauderton. Dabei erklärt er die politischen Ereignisse, die zum Aufstieg Napoleons führen recht anschaulich, ebenso das Leiden der Soldaten während der Feldzüge. Diese Biografie gibt eine sehr gute Übersicht über die Napoleonischen Kriege und die unterschiedlichen Koalitionen. Natürlich können nicht alle Details bis zur Verbannung nach Sankt Helena genannt werden.
Wenn hier über die mangelnde medizinische Versorgung der französischen Truppen berichtet wird, vermisse ich den Namen Jean Dominique Larrey (1766-1842) der als Militärarzt die ambulances volantes (mobile Lazarette) eingeführt hat, um Verwundete zeitnah zu versorgen und persönlich an die Frontlinie gegangen ist. Larrey gilt als Schöpfer der Militärchirurgie.
Im Anhang finden sich Abbildungen, Landkarten sowie eine Zeittafel und Personenverzeichnis. Ein ausführliches Literaturverzeichnis, bei dem ich allerdings einige Autoren wie Johannes Willms oder Günter Müchler vermisse. Zu Gute halten muss ich Bart van Loo, dass er zahlreiche (Original)Briefe und/oder Augenzeugenberichte aus belgischen bzw. französischen Quellen verwendet hat.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser Biografie 4 Sterne.