Wie Menschen Moore nutzen, ist eine Zukunftsfrage. Um sie nachhaltig zu beantworten, untersucht Jakob Rehder vielversprechende Instrumente des Umweltrechts, legt deren strukturelle Defizite offen und entwickelt differenzierte Reformvorschläge.
Wie Menschen Moore nutzen, ist eine Zukunftsfrage an der Schnittstelle von Klimaschutz, Biodiversitätserhalt, Klimaanpassung und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Derzeit befinden sich noch über 90 Prozent der deutschen Moorflächen in einem entwässerten Zustand und emittieren so rund sieben Prozent der nationalen Treibhausgase. Damit sich Moorflächen dauerhaft von einer Treibhausgasquelle zurück zu einem natürlichen Kohlenstoffspeicher entwickeln können, ist das deutsche und europäische Umweltrecht unverzichtbar. Wie aber können dessen Instrumente in praktisch relevanten Handlungsfeldern optimal zusammenwirken? Zu dieser Frage fehlt dem rechtswissenschaftlichen Diskurs bislang eine monographische Aufarbeitung. Jakob Rehder schließt diese Forschungslücke. Er legt einen steuerungstheoretischen Ansatz zugrunde und folgt dem dreidimensionalen Nachhaltigkeitsprinzip als Leitkonzept. Ausgehend hiervon entwickelt er transparente Bewertungskriterien und plädiert für einen Instrumentenverbund, der auf großflächige Wiedervernässungen und multifunktionale Bewirtschaftungsmodelle zugeschnitten ist. Seine Untersuchung zeigt, dass der geltende Rechtsrahmen dieser Aufgabe strukturell noch nicht gewachsen ist. Zwei Defizite stechen heraus: die sektorale Blindheit des umweltmedienbezogenen Fachrechts für hybride Landnutzungsformen sowie ein normativ unausgeglichenes Verhältnis zwischen dem Schutz geschädigter Moorökosysteme und deren Wiederherstellung. Vor diesem Hintergrund unterbreitet er differenzierte Reformvorschläge, die von wasserrechtlichen Zulassungs- und Unterhaltungstatbeständen über Förderkonditionen im europäischen Agrarbeihilfenrecht bis hin zur Kodifikation einer naturschutzrechtlichen Selbstkompensation reichen. So leistet die Untersuchung einen Beitrag zur Grundlagendebatte über die Effektivierung des Nachhaltigkeitsprinzips.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Erster Teil: Moorflächen, Nachhaltigkeit, Steuerung
A. Moorflächen als Realbereich
B. Nachhaltigkeit als Leitkonzept
C. Steuerung nachhaltiger Moorflächennutzung
Zweiter Teil: Steuerungsinstrumente de lege lata
A. Zulassungsregime
B. Bewirtschaftungsregime
C. Gebiets- und Artenschutz
D. Raumplanung
E. Ergebnisse des Zweiten Teils
Dritter Teil: Steuerungsinstrumente de lege ferenda
A. Instrumentenübergreifende Betrachtung
B. Instrumentenspezifische Betrachtung
C. Ergebnisse des Dritten Teils
Zusammenfassung in Leitsätzen