Der vorliegende Band erschließt das Feld der unternehmensrechtlichen Skandalforschung. Er erläutert Gegenstand, Erkenntnisinteresse und Methoden dieses Forschungsbereichs. Zehn Fallstudien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen, wie Unternehmensskandale entstehen und wie Aufsichtsbehörden, Gerichte und Gesetzgeber darauf reagieren.
Corporate scandals are catalysts for change. They constitute a rewarding subject of foundational corporate law research, as legislators often respond to them with far-reaching reforms. This volume introduces the field of corporate law scandal research. It explains its objectives and methods and presents a brief phenomenology of different types of scandals. Ten case studies from the more distant, recent, and most recent past then illustrate how corporate scandals unfold. They originate from Germany, Austria, and Switzerland and range from banking and financial scandals to the collapse of industrial enterprises and large-scale, organized tax fraud. Their names have become firmly embedded in the collective memory of corporate, capital markets, banking, accounting, and business law: Bremer Vulkan, Cum/Ex, Volkswagen and Wirecard, Swissair and Credit Suisse, Creditanstalt 1931, Commerzialbank Mattersburg, and Hypo Alpe-Adria. Each case is examined in detail: Who are the actors publicly accused of wrongdoing? Who brought the actual or alleged misconduct to public attention? How did the media cover the case? What sanctions were imposed by supervisory authorities and courts? How did legislators respond? And have the reforms prompted by these scandals stood the test of time, or have they ultimately proved unsuccessful? Unternehmensskandale sind Katalysatoren des Wandels. Sie bilden einen lohnenden Gegenstand unternehmensrechtlicher Grundlagenforschung, weil der Gesetzgeber in ihrem Gefolge nicht selten weitreichende Reformgesetze erlässt. Der vorliegende Band führt in die unternehmensrechtliche Skandalforschung ein. Er erläutert ihr Erkenntnisinteresse und ihre Methoden und präsentiert eine kleine Phänomenologie von Skandaltypen. Anschließend veranschaulichen zehn Fallstudien aus älterer, jüngerer und jüngster Zeit, wie sich Unternehmensskandale entfalten. Sie stammen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ihr Spektrum reicht von Banken- und Finanzskandalen über den Kollaps von Industrieunternehmen bis hin zum arbeitsteilig organisierten Steuerbetrug. Ihre Namen haben sich in das kollektive Skandalgedächtnis des Gesellschafts- und Kapitalmarktrechts sowie des Bank-, Bilanz- und Unternehmensrechts eingebrannt: Bremer Vulkan, Cum/Ex, Volkswagen und Wirecard, Swissair und Credit Suisse, Creditanstalt 1931, Commerzialbank Mattersburg und Hypo Alpe-Adria. Jeder einzelne Fall wird sorgfältig seziert: Wer sind die Skandalisierten, die öffentlich einer Verfehlung bezichtigt werden? Wer hat die tatsächliche oder vermeintliche Verfehlung in die Öffentlichkeit getragen? Wie haben die Medien den Fall aufgegriffen? Welche Sanktionen haben Aufsichtsbehörden und Gerichte verhängt? Wie hat der Gesetzgeber reagiert? Haben sich die skandalgetriebenen Reformgesetze im Zeitablauf bewährt oder als Fehlschlag erwiesen?
Inhaltsverzeichnis
Holger Fleischer
: Unternehmensrechtliche Skandalforschung: Ein Primer -
Peter V. Kunz
: Das Ende der Credit Suisse: Regulierungstsunami für Banken und Bankbehörden? Diskussion (
Anton Rittmeister
) -
Julia Told
: Hypo Alpe-Adria: eine Bank und ein Bundesland wanken? -
Lukas Glanzmann
: Der Untergang der Swissair - Auswirkungen auf das Schweizer Sanierungsrecht. Diskussion (
Vincent Hoppmann
) -
Klaus Ulrich Schmolke
: Der Wirecard-Skandal - Ein Lehrstück über die Kraft des Glauben-Wollens. Diskussion (
Felix Bassier
) -
Susan Emmenegger
: Die Credit Suisse und Archegos - Auf dem Weg zu einem Senior Managers Regime für die Schweiz -
Tim Florstedt
: Der Cum/Ex-Skandal. Diskussion (
Michael Zeller
) -
Susanne Kalss
: Die Lex Ehrenfest" : Der Untergang der Creditanstalt 1931 - Die Einführung des Untreuetatbestands in Österreich -
Jan Lieder/Raphael Hilser
: Der Bremer Vulkan" -Skandal. Diskussion (
Simon Horn
) -
Julia Nicolussi
: Die Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG - Ein Lehrstück des Wegschauens und Nichtstuns -
Jennifer Trinks
: Der Dieselskandal. Diskussion (
Christian Hallensleben
)