An der Allan Gardens Public Library kommt es immer wieder zu besonderen Vorkommnisse. Die Bibliotheksangestellte Miriam protokolliert sie gewissenhaft und sammelt sie in ihrer Schublade. Die Bücherei ist ein Zufluchtsort für Exzentriker, die Randfiguren der Gesellschaft, die mit den außergewöhnlichen sexuellen Gelüsten, die Wütenden, die Hartnäckigen, die Sanftmütigen.
Miriam beobachtet und hilft selbst bei außergewöhnlichen Anfragen. Nur, wenn es brenzlig wird, weiß sie nicht weiter. Oder wer ihr die irritierenden Briefe unter dem Pseudonym Rigoletto schreibt, die ihr suggerieren, dessen Tochter zu sein. Die Erinnerungssequenzen an den Vater drängen sich zwischen die Protokolle.
Auf einer Parkbank lernt sie Janko kennen, Künstler und Taxifahrer und verliebt sich ein zweites Mal in ihrem Leben, auch wenn es dazu niemals kommen sollte.
Nach und nach setzt sich ein ganzer Kosmos zusammen. Hilfsbereitschaft und Ordnung sind Anker, wenn die Gefühle im Sturm in Not geraten. Das Verlieben wird zur Gefahrenzone, wenn die Verlustangst unkontrollierbar zuschlägt.
Tieftraurig, hilflos und wütend sieht sich Miriam erneut mit dem Verlust ihres Vaters konfrontiert und spürt die drängende Not hinter unbeantworteten Fragen. Die großen Narrative ihres Lebens wirken bis in die Gegenwart.
Hinter all den Absurditäten, der Komik und auch der Ordnungsliebe im Alltag schimmert die Wut, die Verzweiflung und die Trauer einer hochsensiblen Protagonistin.
Mit viel Liebe für ihre Figuren und vollendetem Gespür für das Komische im Tragischen zeichnet Martha Baillie in minimalistischen Erinnerungsbildern und Protokollen einen ganzen Kosmos der Menschlichkeit.
Martha Baillie setzt eine Protagonistin in die Welt, die der eigenen Traurigkeit mit dem Mut einer Löwin gegenübertritt. Und wem das gelingt, der ist eine leuchtende Inspiration.
Sie deutet an und lässt Bilder wirken, und das ist literarisch brillant. In leinwandreifen Szenen erzählt sie Wut und Verzweiflung ebenso wie die heilenden Wirkung des gegenseitigen Verständnisses und die Komik in den Absurditäten des Alltags.
Kein Wunder also, dass Besondere Vorkommnisse 2024 verfilmt wurde