Western Helden - Die neue Reihe für echte Western-Fans!
Harte Männer, wilde Landschaften und erbarmungslose Duelle - hier entscheidet Mut über Leben und Tod. Ob Revolverhelden, Gesetzlose oder einsame Reiter auf der Suche nach Gerechtigkeit - jede Geschichte steckt voller Spannung, Abenteuer und wilder Freiheit.
Erlebe die ungeschönte Wahrheit über den Wilden Westen
Den Brief erhielt Jay Brady in Alamosa wenige Stunden, bevor er reisen wollte. Jay hockte gerade in der brütenden Hitze vor einer Bodega und benutzte ein Streichholz als Zahnstocher. Der Postbote warf Jay den Brief in den Schoß, wartete eine Minute oder zwei auf ein Trinkgeld und zog knurrend ab, als er keins bekam. Jay war fast zu faul, den Umschlag zu öffnen. Die Handschrift kam ihm irgendwie bekannt vor, obwohl er vergeblich in seiner Erinnerung nach einem Mann suchte, der so verrückt war, einen Haufen Zeit zu verschwenden, um einen Brief zu pinseln - und obendrein noch Porto dafür wegzuwerfen. Der Brief war glücklicherweise kurz. Geschrieben von der klobigen Faust Stig Brands - und Jay glaubte die Flüche zu hören, die Stig während der Arbeit des Schreibens vom Stapel gelassen hatte. Er las: Wann läßt du Satteltramp dich mal wieder blicken, he? Hätte einen Job für dich, falls du noch so in Form bist wie vor fünf Jahren, oder sind es schon sechs her? Wenn's dich also juckt, dann komm nach Caravan, Colorado. Hier wirst du gratis gekratzt. Komm bald zu deinem alten Stig. Das war's. Nicht viel. Aber wenn man wußte, dass Stig Brand sich lieber ein paar Finger abhackte, ehe er sie mit Tinte bekleckerte, dann blieb einem Raum genug zu allen möglichen Kombinationen. Und da Stig Brand beinahe der einzige war, den Jay Brady je als Freund bezeichnet und angesehen hatte, erhob er sich, zählte nachdenklich die letzten Moneten seiner Barschaft und fasste einen folgenschweren Entschluss. Den Entschluss nämlich, nach Caravan in Colorado aufzubrechen. Weniger, weil es ihn juckte - wie Stig Brand sich ausgedrückt hatte - als darum, dass er sich nach Stig Brands Sommersprossen unter dem brandroten Schopf sehnte. Und weil er Alamosa bis obenhin satt hatte. Der Bahnhofsvorsteher schnarchte in seinem Zimmer vor dem tickenden Telegrafen.