Die Komponistin ist ein Roman voller Musik, voller Liebe. Aber auch voller Wut, Trauer, Aufbegehren, Hoffnung. Es ist die Geschichte von Mel Bonis, die mit Satie und Debussy in einer Komponistenklasse saß. Sie war mit beispiellosem Genie gesegnet.
Doch eine Frau entscheidet nicht, für eine Frau wird entschieden. Die Mutter, die Kirche, die Sitte, die Gesellschaft, der Ehemann. Was zählt schon die Liebe? Zur Musik, zur Leidenschaft, zum Sein, zu dem einen Mann, der alle Sterne des Firmaments bedeutet? Unerreichbar.
Stattdessen muss Mel Bonie das Konservatorium abbrechen, heiratet, bekommt Kinder. Komponiert kaum. Als ihre große Liebe nach Frankreich zurückkehrt, findet sie die Musik wieder. Sie vernachlässigt ihre Pflichten, stürzt sich in ihre Berufung.
Die Wut schwelt und lodert, begehrt auf gegen das Stigma, eine Frau zu sein. Die Erzählstimme, die Mel Bonis mit Du anspricht, nimmt der Wut die zerstörerische Kraft, schaut in andere Köpfe, zeichnet ein Bild. Eine Karikatur, ein Sittengemälde, eine Bestandsaufnahme, die Zeit schreitet voran.
Dieses Buch ist eine Arie auf das Leben einer ungewöhnlichen Frau, die aufbegehrt, sich emanzipiert. Sie erkundet die Tiefen der Musik, sie leidet, sie liebt, bis das Grauen des Krieges die Musik zum Verstummen bringt.
Die Sprache entwickelt einen Rhythmus, eine Melodie, eine Partitur. Der Kopf füllt die Leerstellen, hört den Klang, schafft einen Kosmos. Die Kapitel sind Spielarten der Musik, die Worte spannen musikalische Themen, in Wiederholungen, Harmoniesprüngen, Tempi.
Alissa Wenz nähert sich der historischen Figur über ihre Kompositionen und ergänzt die Lücken mit Fiktion. Daraus wird ein den ganzen Klangraum füllendes Stück über weibliche Emanzipation und eine der vergessenen Künstlerinnen der Geschichte.