"Frag nach Susan" von Souvankham Thammavongsa habe ich als Hörbuch gehört, geprochen von Christina Ann Zalamea. Offensichtlich bin ich mit der falschen Erwartungshaltung an das Hörbuch herangegangen, daher hat es mich enttäuscht und wütend zurückgelassen.
Ning, eine ehemalige Boxerin, betreibt ein Nagelstudio. Alle Mitarbeiterinnen nennt sie Susan, alle tragen Einheitslook in schwarz. Sie ist der Meinung, dass ihre Kundinnen sich die ausländischen Namen sowieso nicht merken können. So begleiten wir Ning durch einen Tag im Studio mit ihren Mitarbeiterinnen und Kundinnen.
Vorab: Ning war mir ziemlich unsympathisch. Sie wirft ihren Kundinnen unterschwellig Rassismus vor, was ja in manchen Bereichen durchaus auch stimmen mag. Aber auch sie ist geprägt von Vorurteilen gegenüber ihren Kundinnen. So wird jede Kundin zweimal dazu aufgefordert, sich eine Farbe auszusuchen, beim ersten Mal hört sie sowieso nicht zu. Vorurteil 2: Da die Kundinnen ihre Sprache nicht verstehen, wird in der Sprache von Ning und ihren Mitarbeiterinnen über jede Kundin gelästert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in jedem Studio so ist. Aber: es lebe das Vorurteil! Die Autorin ist laotisch-kanadischer Herkunft und ich habe mich während des Hörens sehr oft gefragt, was sie uns eigentlich vermitteln will. Natürlich gibt es Alltagsrassismus, ein Gegenpol hätte dem Roman gut getan. Respekt von beiden Seiten! Genau diesen Respekt habe ich in diesem Roman vermisst und da konnte auch die Sprecherin für mich nicht wirklich etwas retten. So habe ich durchgehalten, was bei guten 4 Stunden auch ging.
Sorry, für mich war dieses Hörbuch ein Fehlgriff, ich hätte mir mehr Tiefe bei der Ausarbeitung der einzelnen Personen gewünscht. Über Ning erfahren wir ein wenig, über alle anderen nicht wirklich viel. Einzig eines hat die Autorin bei der deutschen Leser*innenschaft erreicht: Die Mitarbeiter*innen werden jetzt noch misstrauischer begutachtet, sie könnten ja lästern... Und das schürt Rassismus, anstatt ihn zu bekämpfen. Auch dass Ning ihren Mitarbeiterinnen ihre Identität nimmt, indem sie sie alle Susan nennt und ihnen dazu auch das passende Namensschild anhängt, fand ich bedenklich. Wenn eine das nicht will, kommt die nächste....Sagt Ning! Insgesamt ist es ein ein Buch, dass schon kritisch gelesen werden sollte
Weiterempfehlen kann ich das Hörbuch aus den genannten Gründen nicht.