Was bedeutet es dazuzugehören, wenn sich das eigene Leben zwischen verschiedenen Ländern, Kulturen und sozialen Ordnungen bewegt? Diese Studie untersucht die Erfahrungen indonesischer Migrant:innen in Deutschland und zeigt Migration als tiefgreifenden Prozess, in dem Identität, Zugehörigkeit und soziale Beziehungen immer wieder neu ausgehandelt werden.
Auf Grundlage ethnografischer Interviews und teilnehmender Beobachtung analysiert Marie Born, wie Zugehörigkeit im Alltag erlebt, infrage gestellt und gestaltet wird. Im Zentrum steht der Belonging-Ansatz nach Yuval-Davis, der Zugehörigkeit als dynamischen und von Machtverhältnissen geprägten Prozess versteht.
Die Ergebnisse zeigen: Zugehörigkeit ist kein stabiler Zustand. Gefühle von "Zuhause" bleiben ambivalent, soziale Einbindung hängt von Sprache, Netzwerken und Anerkennung ab, während gesellschaftliche Normen bestimmen, wer dazugehört - und wer nicht. Besonders Rassismuserfahrungen erweisen sich als zentrale Grenzen von Zugehörigkeit.
Anhand analytischer Identitätstypen macht das Buch unterschiedliche Formen sichtbar, in denen Migrant:innen Zugehörigkeit entwickeln und gestalten. Es eröffnet damit eine Perspektive auf Migration jenseits von Verlust und Anpassung: als alltäglichen Prozess, in dem Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftliche Bedingungen fortlaufend neu ausgehandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 9
1. Einleitung 11
1. 1 Problemstellung und Relevanz 11
1. 2 Forschungsstand und thematische Eingrenzung 14
1. 3 Aufbau 17
2. Methodische Herangehensweise 19
2. 1 Literaturrecherche 19
2. 2 Qualitative Forschungsansätze 19
2. 2. 1 Grounded Theory 19
2. 2. 2 Semistrukturierte Leitfadeninterviews 20
2. 2. 3 Teilnehmende Beobachtung 22
2. 2. 4 Datenauswertung 23
2. 3 Angaben zu den Interviewpartner:innen 27
3. Identität und Belonging im Migrationskontext 29
3. 1 Identität 29
3. 2 Zugehörigkeit oder Belonging 32
3. 2. 1 Intersektionalität 34
3. 2. 2 Soziale Verortung 34
3. 2. 3 Emotionale Identifikation und Bindung 36
3. 2. 4 Ethisch-politische Zugehörigkeit 37
3. 3 (Transnationale) Migration 38
4. Aushandlungsprozesse indonesischer Migrant:innen 41
4. 1 Migrationserfahrung 41
4. 1. 1 Eine ganz andere Welt 42
4. 1. 2 Reisfresserin 45
4. 2 Emotionale Identifikation 50
4. 2. 1 Zuhause 50
4. 2. 2 Ambivalenz der emotionalen Zugehörigkeit 54
4. 3 Soziale Verortung 56
4. 3. 1 Sprachliche Hürden 57
4. 3. 2 Indonesische Community 61
4. 3. 3 Ramadan 64
4. 4 Ethisch-politische Zugehörigkeit 68
4. 4. 1 Jam karet vs. Struktur 69
4. 4. 2 Jaga penampilan vs. Individualität 73
4. 5 Identität 76
5. Fazit und Ausblick 83
Literatur 87
Anhang 91
Gedicht Orientation , Programmflyer 91
Zugehörigkeitsprofile von Kat und Anna 92
Beispiel eines Interviewleitfadens 93