
An dem Tag, an dem Lina Bartels heiraten sollte, stürzt ihre Tante an der Nordsee von der Leiter - und Lina hat endlich einen Grund zu verschwinden, den niemand hinterfragt.
Lina, 32, Hochzeitsplanerin aus Hamburg, hat neunundvierzig fremde Hochzeiten fehlerfrei organisiert. Ihre eigene hat sie abgesagt, am Abend davor, und seitdem lässt sie alle glauben, sie sei verlassen worden. Jetzt will sie nur sechs Wochen den kleinen Teeladen ihrer Tante Ruth im ostfriesischen Sielhörn führen, sauber übergeben und zurück in ihr altes Leben. Doch das Teekontor am Fuß des rot-weißen Leuchtturms soll verkauft werden - und hier war Lina als Kind schon einmal zu Hause, bis man sie abholte.
Zwischen Kluntje und Sahnewölkchen, Sturmflut und Zugvögeln, einem Dorf, das alles weiß und nichts sagt, und dem wortkargen Küstenfotografen Mats, der jeden Morgen um zehn nach acht eine Teemischung kauft, die es offiziell gar nicht gibt, merkt Lina, dass dieser Laden mehr aufbewahrt als Tee. In einer alten Blechdose liegen Briefe, die alles infrage stellen, was sie über ihre Kindheit zu wissen glaubte. Und plötzlich will die Frau, die immer als Erste geht, zum ersten Mal bleiben - ausgerechnet jetzt, wo die Frist läuft und der Mann, der ihr das Bleiben so leicht machen könnte, längst eigene Pläne hat.
Ein warmherziger, sinnlicher Küstenroman über Heimat und verlorene Jahre, über drei Frauen, die zu lange geschwiegen haben, über die Kunst, nicht umzurühren - und über die Frage, ob man einen Menschen lieben kann, ohne ihn festzuhalten.
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