Hofmannsthals Erzähltexte von 1907 zitieren einander auffällig häufig mal in gegenseitiger Reprise, mal in ambivalentem Widerspruch. Die Studie ermittelt, wie der Autor in einem zentralen Jahr seiner schriftstellerischen und weltanschaulichen Entwicklung erzählerisch-fiktionale Entwürfe durchspielt, um die Funktion und die Zuverlässigkeit des kulturellen Gedächtnisses, der Geschichtsschreibung und der Epiphanie als dreier moderner Erlösungsversprechen zu verhandeln. Dabei widerspricht Hofmannsthal häufig subtil seinen literarischen Figuren, nutzt die Logik der Fiktion, um Argumente gegeneinander abzuwägen und experimentiert mit Standortbestimmungen der europäischen Moderne, die sich fortlaufend selbst hinterfragen.