"Schauen wir zurück", reflektiert Virginia Woolf in einer ihrer theoretischen Überlegungen bezüglich des Romans, "scheint es, dass der Romancier alles tun kann. In einem Roman ist Raum für das Geschichtenerzählen, für Komödie, für Tragödie, für Kritik und Belehrung und Philosophie und Lyrik. Ein Teil seiner Anziehungskraft liegt in der Weite seines Spielraumes und der Befriedigung, die er so vielen verschiedenen Gewohnheiten, Begierden und Instinkten von Seiten des Lesers bietet."
In ihrem 1927 erschienenen avantgardistischen Roman "Auf der Fahrt zum Leuchtturm" überzeugt uns Virginia Woolf auf literarisch eindrucksvollste Weise von der Wahrheit dieser ihrer Überlegung. Die Biografie der Familie Ramsey verbindet sich mit philosophischen Reflexionen, lyrische Naturbeschreibungen mit einer Tiefenschau in den so weiten, kaum auslotbaren Innenraum des Menschen, hier und da eingestreute Beobachtungen ihrer eigenen Zeit mit grundsätzlichen Reflexionen zum Verhältnis von Künstler und Wirklichkeit. Mittelst kunstvoll einander abwechselnder und ineinander verschachtelter Erzählperspektiven malt Virginia Woolf in ihrem fünften Roman ein impressionistische Gemälde aus Worten und Sätzen von beispielloser Leuchtkraft und Intensität.
Hoch avantgardistisch in seiner gesamten Anlage wurde "Die Fahrt zum Leuchtturm" bereits von Woolfs Zeitgenossen und späteren Autoren des 20. Jahrhunderts in seiner literarischen Größe gesehen und als absolutes Meisterwerk anerkannt. So resümiert Jorge Luis Borges: 'Die Fahrt zum Leuchtturm' ist eines der Gipfelwerke der Literatur des 20. Jahrhunderts.