Nähe nährt uns, Distanz schützt uns. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich jede Beziehung. Wir wollen uns einlassen, ohne uns selbst zu verlieren, Verbundenheit erfahren, ohne vereinnahmt zu werden. Genau darin liegt das Dilemma: Was uns trägt, macht uns zugleich verletzlich, was uns schützt, kann uns voneinander entfernen. Wie wir dieses Verhältnis gestalten, ist geprägt von frühen Erfahrungen, von Vertrauen und Verletzungen. Michael Lehofer erkundet diese Grundspannung menschlicher Beziehungen und zeigt, dass echte Autonomie nicht der Gegensatz von Nähe ist, sondern in der Zuversicht besteht, auch ohne den anderen geborgen leben zu können. Erst wo wir einander als eigenständiges Gegenüber wahrnehmen und in der Kommunikation wirkliche Gemeinsamkeit entstehen lassen, wird Verbundenheit möglich, ohne dass das eigene Ich verloren geht.