Künstlerinnen und Künstler in der DDR wollten reisen, nicht alle konnten es. Wohin aber reisten die, die durften, was erlebten sie? Und wie wurden die Erfahrungen von Grenze und Grenzüberwindung ästhetisch verarbeitet? Eine Geschichte der Privilegien, Kompromisse und Proteste.
Zum romantischen Ideal des Künstlerlebens gehört die inspirierende Reise, am besten nach Italien. In der DDR waren solcher Art kreativitätssteigernder Bewegungsfreiheit enge Grenzen gesetzt. Über Reiseanträge entschied der Verband der Bildenden Künstler, die Genehmigung einer individuellen Studienreise in den Westen konnte sich monatelang hinziehen. Dennoch waren ostdeutsche Künstler erstaunlich viel unterwegs. Gereist wurde oft in politisch-internationalistischer Mission, zum Beispiel in die Sowjetunion, nach Vietnam, Kuba, Äthiopien oder in den Libanon. Zudem war die DDR beliebtes Reiseziel für sozialistische Künstler aus aller Welt. Waren die Einflüsse für ostdeutsche Künstler also gar globaler als für westdeutsche? Ausgehend von zahlreichen Zeitzeugen- Interviews erkunden die Kunsthistorikerinnen Kerstin Schankweiler und Jule Lagoda sämtliche Facetten der Reise(un)freiheit in der DDR. Vor allem aber zeigen sie, wie sich die gesteuerte Mobilität auf die ostdeutsche Kunst auswirkte: von Collagen aus Reisematerial über Fantasiereisen, Grenzbilder und Gruppenausstellungen bis hin zu subversiven Kunstformen wie der Mail Art.