Die Katze ist weiblich. Und sie gilt als ebenso anschmiegsam wie unberechenbar, gleichsam schön wie gefährlich, häuslich und wild. Als widersprüchliche Projektionsfläche ist sie also bestens geeignet.
Zwischen Frau und Katze besteht eine vertraute und gleichzeitig paradoxe Verbindung. Von frühen religiösen und mythologischen Bildern über die dämonisierte Katze der europäischen Hexenverfolgung bis zu Literatur, Kunst, Film, Werbung und Popkultur sind ihre Geschichten eng miteinander verwoben. Die Katze erscheint als Gefährtin, als Projektionsfläche männlicher Fantasien, als erotisches Versprechen und Verkörperung des Ungezähmten - und zugleich als Figur weiblicher Selbstermächtigung. Denn was passiert, wenn Frauen beginnen, mit diesen Zuschreibungen zu spielen, wenn aus dem Kätzchen ein Raubtier und aus der Beleidigung als Pussy eine Kampfansage wird? Zwischen patriarchalen Einhegungsversuchen und feministischer Aneignung entfaltet sich eine überraschende Kulturgeschichte des Begehrens, der Macht und der Verwandlung.