Leif GW Persson, geboren 1945 in Stockholm, ist seit vielen Jahren Professor der Kriminologie, Berater der obersten Polizeibehörde, Medienexperte - und einer der führenden Krimiautoren Schwedens, obwohl er noch gar nicht so viele Bücher veröffentlicht hat. Persson ist ein charismatischer, kantiger und schillernder Mann, der weiß, worüber er schreibt. Seine Romane um Lars M. Johansson, der im Laufe der Jahre eine erstaunliche Karriere macht ohne sich zu verbiegen, und die Stockholmer Polizeibehörden zählen zu den erfolgreichsten des Landes.
Begonnen hat Leif GW Persson seine schriftstellerische Tätigkeit Mitte der siebziger Jahre mit dem leider immer noch nicht übersetzten Roman "Grisfesten", in dem er die Geschichte seiner Entlassung aus dem Polizeidienst nacherzählt hat. Es folgten dann 1979 "Die Profiteure" und danach "In guter Gesellschaft", beide jüngst bei BTB aufgelegt. Alle diese Bücher hatten in Schweden großen Erfolg.
Danach folgte eine fast 20-jährige Schreibpause, bis ihm mit "Zwischen der Sehnsucht des Sommers und der Kälte des Winters" ein sensationelles Comeback gelang. In diesem Buch geht es um den bis heute nicht aufgeklärten Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme.
Leif GW Perssons Stil ist eigen. Obwohl seine Bücher kaum weniger spannend sind als andere Krimis, sind sie dokumentarischer, wissenschaftlicher. Er schildert aufgrund seiner internen Kenntnisse des Polizeiapparates die Arbeit der ermittelnden Beamten nüchterner, sachlicher, ehrlicher, auf jeden Fall weniger spektakulär als andere Autoren seines Genres.
Im neuen Buch geht es um den Terroranschlag der RAF (Kommando Holger Meins) am 24. April 1975 auf die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Stockholm. Schon damals war Bo Jarnebring bei der Ermittlung beteiligt, und etliche Sachverhalte waren ihm sehr suspekt. Da er aber nicht mit der Leitung der Ermittlungen befasst war, geraten seine Eindrücke zunächst in Vergessenheit. Auch im Dezember 1989 ist Jarnebring nicht der Leiter der Ermittlungen, als ein Kjell Eriksson ermordet aufgefunden wird, sondern ein gewisser, homophober Kommissar Bäckström. Doch schon bei diesem Fall arbeitet eine junge Anna Holt ( eine Reminiszenz an die norwegische Kollegin Anne Holt ?) mit, die sich dann im Jahr 2000 kurz vor der Verjährung der Botschaftsbesetzung im Team von Lars M. Johansson durch besondere Leistungen hervortut.
Ein wunderbares Buch eines Krimiautoren, der politischen Anspruch und Hintergrund, gute Recherche, kriminologische Wissenschaft und beißende Kritik am Polizeiapparat und der Gesellschaft zu einem aufklärerischen und gleichzeitig spannenden Text zusammenführt.
Es ist schade, daß Leif GW Persson in Deutschland, jedenfalls was die Auflagenstärken betrifft, so wenig Rezeption erfährt. Das sollte sich ändern.