Der Würzburger katholische Moraltheologe und ausgewiesene Fachmann der theologischen Ethik Stephan Ernst legt hier nach drei etwas kürzeren Büchern über christliche Ethik und Sozialethik nun bei Kösel ein weiteres Werk zur Ethik vor.
Es ist ein durch und durch theologisches Buch und es zeigt, wie wichtig auch heute noch das Treiben von Theologie ist. Es zeigt aber auch, dass Theologie nicht nur das fremde Spezialgebiet der Theologen bleiben muss, sondern er vermittelt mit seiner Einführung in die "Grundfragen theologischer Ethik" auch dem interessierten und gebildeten Laienchristen eine hervorragende, umfassende und gut verständliche Basisinformation darüber, wie er seine theologischen und Glaubensentscheidungen treffen kann.
Denn was der Mensch darf, was gut und richtig ist und was böse, auf diese Fragen fallen in einer komplexen Welt die Antworten nicht mehr so leicht wie in früheren Zeiten. Und vor allem ist brüchig gewordne, woher wir Menschen bei der Beantwortung dieser Fragen und bei der Begründung unserer mannigfaltigen Entscheidungen in unserem Leben die Orientierung hernehmen, an was wir sie festmachen und woran wir sie binden.
Sechs Merkmale erläutert Ernst im ersten Teil des Buches, woran sich ethisch gutes und schlechtes Handeln erkennen lässt:
· Orientierung am Willen Gottes
· Orientierung an der Heiligen Schrift
· Orientierung am eigenen Gewissen
· Orientierung am natürlichen Sittengesetz
· Orientierung an der autonomen Vernunft
· Orientierung an der Verhältnismäßigkeit der Mittel
In vier Kapiteln des zweiten Teils beschreibt er, wie sich ethisch gutes Handeln wollen lässt und diskutiert:
· Die Bestreitung der Freiheit - Der Einwand des Determinismus
· Die Unterdrückung der Freiheit - Die Macht von Schuld und Sünde
· Die Befreiung der Freiheit - Die Bedeutung des Glaubens für das Handeln
· Die Vermittlung der Freiheit - Aspekte christlicher Spiritualität
Man sieht, die zentralen Themen der theologischen Ethik werden abgehandelt, gleichzeitig bekommt der Leser einen fundierten und verständlichen Überblick über die philosophischen und theologischen Diskussionspartner und erhält so nebenbei auch noch eine kleine Philosophie- und Theologiegeschichte der jüngsten Zeit.
Das Buch ist für Theologen beider Konfessionen und für engagierte Laien und kirchliche Entscheidungsträger nur zu empfehlen.