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Das Leben im Boden / Das Edaphon

Untersuchungen zur Ökologie der bodenbewohnenden Mikroorgan…
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Produktdetails

Titel: Das Leben im Boden / Das Edaphon
Autor/en: Raoul H. Francé

ISBN: 3922201024
EAN: 9783922201021
Untersuchungen zur Ökologie der bodenbewohnenden Mikroorganismen.
Empfohlen von 16 bis 99 Jahren.
durchgesehene Auflage.
44 Abbildungen.
Herausgegeben von Kurt Walter Lau
OLV Organischer Landbau

1. März 2012 - gebunden - XXI

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Mit der Neuauflage beider Schriften in einem Band sind die klassischen Arbeiten des großen Naturforschers Raoul H. Francé seit vielen Jahren wieder verfügbar. Raoul H. Francé (1874 ¿ 1943), einer der größten biologischen Forscher, hat die aus Mikroorganismen und größeren Bodentieren, wie Tausendfüßlern und Regenwürmern, bestehenden Lebensgemeinschaften des Bodens entdeckt. Seine lebenslangen Studien am Mikroskop und im Laboratorium und auf weltweiten Forschungsreisen erarbeiteten Erkenntnisse hat er unter anderem in ¿Das Edaphon¿ (¿Das im Boden Lebende¿) in wissenschaftlich-allgemeinverständlicher und in ¿Das Leben im Boden¿ in erzählender Form, mit vielen Zeichnungen nach der Natur, dargestellt.Diese für alle naturkundlich und landbaulich Interessierten bestimmte Texte in diesem Doppelband, mit den vom Verfasser nach der Natur angefertigten Zeichnungen, beruht auf der unendlich geduldigen Kleinarbeit des Forschers. Nur wer in der Forschung so verankert ist wie R. H. Francé es war, kann es sich erlauben, so allgemeinverständlich, ja fesselnd zu schreiben, ohne jemals den festen Boden unter den Füßen zu verlieren.Diese beiden Schriften bilden nicht nur die Basis für ein Verständnis der großartigen Zusammenhänge der Lebensgemeinschaften intakter Böden, sondern auch die naturkundlichen Grundlagen für eine Bodenbearbeitung ohne Bodenwendung, Bodenbedeckung, Gründüngung und Kompostierung ¿ wichtige Methoden des ökologischen Land- und Gartenbaus.
Inhaltsverzeichnis zu ¿Das Leben im Boden¿:3 Das Wunder der Brotfrucht4 Mensch, Pflanze, Boden Stärkemehl, Fett und Eiweiß 4 ¿ Die Lichtkraftmaschinen der Assimilation 6 ¿ Warum die Pflanze auch Erde braucht 89 Der Boden ¿ Bau und LebenDas Problem der Bodenbildung 10 ¿ Was ist Humus? Wie entsteht er? 11 ¿ Die phantastische Welt der Pilze 16 ¿ Krümelbildung, koprogene Humusablagerung 19 ¿ Einzeller bilden Feinhumus 21 ¿ Die Durchmischung der festen und kristallinen Bodenteile 23 ¿ Vom Rohhumus zum milden Humus 24 ¿ Zauberwald der Spaltalgen 25 ¿ Die Wirkungen der Bodengare 27 ¿ Bodendurchlüftung, eine Grundsäule der Bodenfruchtbarkeit 29 - Die Selbstreinigungskraft des Bodens 3031 Wie Pflanzen wachsen und gedeihenDie Rolle der Wurzelhärchen 31 ¿ Die fünf Hauptnährstoffe 32 ¿ Bodenverarmung, Auswanderung, Industrialisierung 33 ¿ Liebigs Lehre vom Ersatz der Nährstoffe 34 ¿ Die kolloidale Natur des Humus 35 ¿ Maschinen, Bodenwirtschaft, Pflanzenernährung 36 ¿ Pilzwurzel: Mykorrhiza 37 ¿ Der Stickstoffhaushalt des fruchtbaren Bodens 38 ¿ Die Gründüngung 40 ¿ Stickstoffzehrer und Stickstoffmehrer 41 ¿ Algen und Pilze im Stickstoffhaushalt 43 ¿ Der Kreislauf des Stickstoffs 44 ¿ Kompost, eine Kultur von Edaphon 4719 Verwirklicht die Naturgesetze des Bodens! 51 Anmerkungen und Erläuterungen 54 SachregisterNach der 1922 mit dem Titel ¿Das Leben im Ackerboden" erschienenen Auflage.Inhaltsverzeichnis zu ¿Das Edaphon¿I. Einleitung.....4II. Vorläufer der Edaphonforschung.....5III. Methodik der Untersuchungen.....9IV. Systematik des Edaphons.....10V. Untersuchungen zur Ökologie des Edaphons.....37A. Der Einfluß des Lichtes auf die Bodenorganismen.....39B. Der Einfluß der Temperatur auf das Edaphon.....44C. Der Bodenfeuchtigkeit Einfluß auf das Edaphon.....52D. Der Einfluß der geographischen Höhe auf das Edaphon.....57E. Chemische Bodeneinflüsse auf das Edaphon.....64VI. Die biocoenotischen Verhältnisse des Edaphons.....82VII. Die Bedeutung des Edaphons .....87Register.....94Der Doppelband ist ausgestattet mit einem sechsseitigen Sach- und Autorenregister und einer vollständigen Bibliografie Raoul H. Francé von 1892-1942 und seiner posthum gedruckten Werke von 1959-2012.
Dr. h.c. Raoul H. Francé. Geb. 21.5.1874, Wien. Gest. 3.10.1943, Budapest. Bis 1900 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ungarischen Instituts für Pflanzenkrankheiten, Budapest. 1900 bis 1919 eigenes Biologisches Institut in München. 1919 bis 1939 Dinkelsbühl, Salzburg, Dubrovnik. Naturwissenschaftliche und schriftstellerische Arbeiten, zahlreiche Reisen in alle Welt. Ab 1939 Budapest.
Auszug aus dem Vorwort von Georg E. Siebeneicher:

Was ist das eigentlich für ein Titel: Francé, Das Leben im Ackerboden?" so fragte, fast schon etwas verärgert, ein Gehilfe der Buchhandlung Hugendubel in München, als im Winter 1937/38 dieses Buch immer wieder verlangt wurde. Ein anderer Gehilfe hatte stillschweigend eines der kleineren Schaufenster in der, im Zweiten Weltkrieg dann zerstörten Passage zum Kultusministerium als Sonderfenster mit diesem Buch eingerichtet. Aus einer Kommissionslieferung des Verlages anlässlich einer Landbautagung war ein Stapel der broschierten, mit einem Farbbild versehenen Ausgabe dieses Kosmosbändchens liegen geblieben. Der andere Gehilfe" (es war der Unterzeichnete) hatte nicht daran gedacht, die Bücher an den Verlag zurückzusenden, sondern sie unter die Leute zu bringen, also zu verkaufen.
Das schien ohne weiteres möglich, denn R. H. Francé war in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts einer der erfolgreichsten Populär-Schriftsteller". (Heute würde man sagen: Sachbuchautoren.) Führende Verlage brachten seine Bücher heraus, beispielsweise Ullstein in Berlin: Die Welt der Pflanze. Eine volkstümliche Botanik", 1912, und Welt, Erde, Menschheit. Eine Wanderung durch die Wunder der Schöpfung", 1928. Das Leben im Ackerboden" aus der Franckh'schen Verlagshandlung in Stuttgart noch heute einer der größten naturkundlichen Verlage erreichte in den zwanziger Jahren sogar Riesenauflagen.

Georg E. Siebeneicher

Auszug aus der Einführung von Professor Dr. René H. Roth:

Francé und die Biologie des Land- und Gartenbaues

Bis zum Anfang des 19ten Jahrhunderts nahmen Landwirte und Wissenschaftler gleicherweise es als selbstverständlich an, daß Pflanzen sich ausschließlich von Wasser und Luft ernähren. Den mineralischen Salzen wurde kein Nahrungswert zugesprochen, und Dünger schien nur eine rein mechanische Rolle in der Ernährung der Pflanzen zu spielen. Es blieb Theodore de Saussure (1767-1845) durch Anwendung der quantitativen Analyse auf die Pflanzenernährung22) vorbehalten, den wahren Sachverhalt zu entdecken. De Saussure legte die Grundlagen zur Erkenntnis der Rolle des Humus in der Ernährung der Pflanzen. Fünf Jahre später entwickelte Albrecht Thaer (1752-1823) seine Theorie23) So kam es, daß in der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts die Idee Vorhand nahm, der Humus sei die wichtigste, direkte Quelle der Pflanzennährstoffe. Nichtdestoweniger wurde aber als selbstverständlich angenommen, die Humusbildung sei ein rein chemischer Prozeß, d.h. ein einfaches Ergebnis des Zerfalls von Pflanzenleichen durch die Wirkung von Sauerstoff und Wasser.
Folgerichtig war dies die Zeit der Untersuchungen der chemischen Zusammensetzung der Humusverbindungen. Diese Forschungsrichtung kam aber zu einem jähen Ende* herbeigeführt durch die Autorität des berühmten Chemikers Justus von Liebig (1803-1873) der 1840 die Humustheorie, die im Anschluß an die Lehren Thaers entstanden war, verwarf24) und mit Bestimmtheit erklärte, daß zweifellos ein hoher Humusgehalt des Ackerbodens nicht die Ursache sondern, ganz im Gegenteil, die Wirkung reicher Ernten sei. Er erklärte, daß die Pflanzen ihren Stickstoff, geradeso wie die Kohlensäure, der Luft entnehmen und nur die Aschenstoffe von der Erdscholle herstammen. Liebig war der Überzeugung, die Dammerde" sei nichts anderes als ein funktionsloser Träger der mineralischen Pflanzennährstoffe. Sein Hauptsatz, die Nahrungsmittel aller grünen Gewächse seien ausschließlich anorganische Stoffe, entfachte jenen heftig geführten Streit um die Vorteile der Mineraldüngung, in dem sich immer mehr Forscher auf Liebigs Seite stellten, so daß kaum einer mehr wagte, die Humustheorie auch nur zu erwähnen.
Verweilen wir nun einen Augenblick und versuchen wir klarzustellen, was Humus eigentlich ist und was die Humustheorie lehrt.
Der Name Humus wurde zum ersten Male von dem Schweden Wallerius geprägt25) um die schwarze, fruchtbare Ackerkrume zu bezeichnen. Im modernen Sinne des Wortes ist Humus eine Mischung von sehr feinem kolloidalen, organischen Rückstand mit neugebildeten organischen, im besonderen Eiweißprodukten. Er ist im allgemeinen von dunkler Farbe und gut mit Mineralteilchen durchmischt. Bis heute ist es noch nicht gelungen, die genaue chemische Zusammensetzung der Humusstoffe zu analysieren, da der Humus seine Eigentümlichkeit verliert, wenn man die Struktur durch analytische Reagenzien und Prozesse ändert.
Die Optimalstruktur des Bodens wird als Krümelstruktur" oder Bodengare" bezeichnet. Bis zu einem gewissen Grade könnte man sie auch natürliche Kolloidausflockung" nennen, denn die organischen Kolloide sind sowohl Basis als auch unentbehrliches Bindemittel der Einzelkömer. Aus diesem Grunde sieht ein guter Humus wie ein elastisches Schwammgewebe aus und fühlt sich auch so an26)
Die Rolle des Humus kann mit den folgenden drei Punkten zusammengefaßt werden.
l. Er reichert den Boden durch seinen Stickstoffgehalt an und führt dem Boden auch Phosphate, Magnesium und andere wichtige Nährstoffe zu.
2. Er verbessert die Bodenstruktur, erhöht die Wasserhaltekraft und die Luftdurchlässigkeit des Bodens und verhütet die Erosion.
3. Er verbessert die Lebensbedingungen für die Bodenlebewesen, welche nicht
nur die organischen Stoffe zersetzen, sondern auch an der Synthese der komplexen
Humusstoffe selbst teilnehmen.

Die Humustheorie, wie sie im Anschluß an A. Thaer aufgestellt wurde, besagt schlicht: Humus, ein Rottungsprodukt der Pflanzen, enthalte wichtige organische Nährelemente wie auch Stickstoff und Salze, die von der Pflanze durch ihre Bürzel aufgenommen werden.
Als es nun so aussah, als sei die Humustheorie endgültig erledigt, kam der Anstoß zu ihrer Wiederbelebung von ganz unerwarteter Seite. Einer der bedeutendsten Forscher, der Liebig voll und ganz in seiner agrarchemischen Anschauung unterstützte, war J.B. Boussingault (1802-1887). Merkwürdigerweise war es aber eben derselbe, der den Auftakt zur Überholung der Liebigschen Doktrin gab. In einem, viele Jahre dauernden, Versuch konnte Boussingault nachweisen, daß Nitratbildung im Boden ganz unabhängig vom Stickstoffgehalt der Luft sei27). Diese Entdeckung ebnete den Weg zweier seiner Schüler, Th. Schloesin28) und A. Müntz29) den Beweis zu erbringen, daß im Lichte der Pasteurschen Keimtheorie betrachtet die Nitratbildung im Boden das Ergebnis der Mikrobentätigkeit sei. Und schon zwei Jahre darauf wurde es klar, daß nicht nur Bakterien eine Rolle in der Humusgenese spielen können. Der Däne P.E. Müller, der heute als einer der Väter der modernen Bodenkunde gilt, erkannte die Rolle der wirbellosen Tiere (und zwar nicht nur die der Würmer) in der Humusbildung30)
In den folgenden drei Jahrzehnten befaßten sich immer mehr Wissenschaftler mit den im Ackerboden lebenden Organismen. Darwin (1809-1882) studierte die Tätigkeit der Regenwürmer31) und Drummond (1851-1897) die der Termiten32) der Fruchtbarmachung der Ackerkrume. Deherain33) und Wollny34) untersuchten den Abbau der organischen Stoffe im Erdboden, sowohl vom biologischen wie auch vom biochemischen Standpunkt aus, und wiesen auf den Einfluß der physikalischen Faktoren auf die Intensität dieser Prozesse hin. Diese Arbeiten bewiesen, daß Humus eine Nahrungsquelle (hauptsächlich von Stickstoff) für Pflanzen ist, da durch Zersetzung die Nährstoffe in verfügbare Formen umgewandelt werden.
So wurde am Ende des vorigen Jahrhunderts das Rätsel des Stickstoffkreislaufes gelöst. Dies wurde möglich, weil man die alte Anschauung, der Ackerboden sei eine unveränderliche, anorganische Einheit, durch eine dynamisch-biologische Auffassung ersetzte. Um also die wichtige Rolle des Humus im Haushalt unserer Erde zu verstehen, muß man auch etwas über die Lebensgemeinschaften im allgemeinen, wissen.
Die ersten Beiträge zum Studium biologischer Gemeinschaften wurden von v. Humboldt (1769-1859)35) und A.H.R. Gruebach 1814-1879)36) am Anfang des 19ten Jahrhunderts erbracht, waren aber ausschließlich den Pflanzengemeinschaften gewidmet.
Die Erkenntnis, daß auch Tiere in Gemeinschaften leben und, im besonderen, die Existenz der voll eingefügten Biozönosen war weitgehend das Ergebnis des Studiums der holsteinischen Austernbänke durch K.A. Möbius 1825-1907). Er prägte den Ausdruck Biozönose37), um auf das Zusammenleben von Pflanzen und Tieren in einem begrenzten, nahrungsbedingten Lebensraum zu verweisen, gab diesem Begriff die Deutung, die Biozönose sei eine Geselligkeit, die unter gleichen Lebensbedingungen entstehe, ohne daß die daran beteiligten Organismen sich gegenseitig beeinflußten. Später wurde dann erkannt, daß das ein Fehlschluß war, da die Organismen sich in zusammenlebende Vereine" gliedern, in welchen Mitglieder nur miteinander leben können. Heute wissen wir, daß alle Lebewesen in Gemeinschaften eingeordnet sind.
In den Worten des amerikanischen Erforschers der Insektensoziologie, W.M. Wheeler (1865-1937): Alle Lebewesen sind Mitglieder eines gewaltigen lebendigen Symplasma"38) welches, obzwar räumlich in Individuen getrennt, zeitlich doch fortlaufend ist. Die Lebewesen befinden sich nicht immerzu im Kampf und Wettbewerb um Nahrung, Geschlechtspartner und Schutz, sondern meistens wirken sie zusammen, um sich gegenseitig eben dieselben unentbehrlichen Lebens- und Entwicklungsbedingungen zu sichern39).
Francé, der durch das Studium des Planktons, der Korallenwelt und der Lebensgemeinschaft des Waldes tief zu den grundlegenden Prinzipien der Biozönosen durchgedrungen war, gründete einen neuen Zweig der Ökologie, den er die Biozönotik nannte. In seinem Sinne umfaßt eine Biozönose nicht nur die Organismen einer bestimmten Lebensstätte, sondern auch der leblosen Umweltfaktoren. Heute wird der Begriff als Biogeozönose oder Ökosystem angesprochen.

Prof. Dr. René R. Roth, London, Ontario, Kanada


Auszug aus dem Vorwort von Georg E. Siebeneicher:

"Was ist das eigentlich für ein Titel: Francé, Das Leben im Ackerboden?" - so fragte, fast schon etwas verärgert, ein Gehilfe der Buchhandlung Hugendubel in München, als im Winter 1937/38 dieses Buch immer wieder verlangt wurde. Ein anderer Gehilfe hatte stillschweigend eines der kleineren Schaufenster in der, im Zweiten Weltkrieg dann zerstörten Passage zum Kultusministerium als Sonderfenster mit diesem Buch eingerichtet. Aus einer Kommissionslieferung des Verlages anlässlich einer Landbautagung war ein Stapel der broschierten, mit einem Farbbild versehenen Ausgabe dieses Kosmosbändchens liegen geblieben. Der "andere Gehilfe" (es war der Unterzeichnete) hatte nicht daran gedacht, die Bücher an den Verlag zurückzusenden, sondern sie unter die Leute zu bringen, also zu verkaufen.
Das schien ohne weiteres möglich, denn R. H. Francé war in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts einer der erfolgreichsten "Populär-Schriftsteller". (Heute würde man sagen: Sachbuchautoren.) Führende Verlage brachten seine Bücher heraus, beispielsweise Ullstein in Berlin: "Die Welt der Pflanze. Eine volkstümliche Botanik", 1912, und "Welt, Erde, Menschheit. Eine Wanderung durch die Wunder der Schöpfung", 1928. "Das Leben im Ackerboden" aus der Franckh'schen Verlagshandlung in Stuttgart - noch heute einer der größten naturkundlichen Verlage - erreichte in den zwanziger Jahren sogar Riesenauflagen.

Georg E. Siebeneicher



Auszug aus der Einführung von Professor Dr. René H. Roth:

Francé und die Biologie des Land- und Gartenbaues

Bis zum Anfang des 19ten Jahrhunderts nahmen Landwirte und Wissenschaftler gleicherweise es als selbstverständlich an, daß Pflanzen sich ausschließlich von Wasser und Luft ernähren. Den mineralischen Salzen wurde kein Nahrungswert zugesprochen, und Dünger schien nur eine rein mechanische Rolle in der Ernährung der Pflanzen zu spielen. Es blieb Theodore de Sau
ssure (1767-1845) durch Anwendung der quantitativen Analyse auf die Pflanzenernährung22) vorbehalten, den wahren Sachverhalt zu entdecken. De Saussure legte die Grundlagen zur Erkenntnis der Rolle des Humus in der Ernährung der Pflanzen. Fünf Jahre später entwickelte Albrecht Thaer (1752-1823) seine Theorie23) So kam es, daß in der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts die Idee Vorhand nahm, der Humus sei die wichtigste, direkte Quelle der Pflanzennährstoffe. Nichtdestoweniger wurde aber als selbstverständlich angenommen, die Humusbildung sei ein rein chemischer Prozeß, d.h. ein einfaches Ergebnis des Zerfalls von Pflanzenleichen durch die Wirkung von Sauerstoff und Wasser.
Folgerichtig war dies die Zeit der Untersuchungen der chemischen Zusammensetzung der Humusverbindungen. Diese Forschungsrichtung kam aber zu einem jähen Ende* herbeigeführt durch die Autorität des berühmten Chemikers Justus von Liebig (1803-1873) der 1840 die Humustheorie, die im Anschluß an die Lehren Thaers entstanden war, verwarf24) und mit Bestimmtheit erklärte, daß zweifellos ein hoher Humusgehalt des Ackerbodens nicht die Ursache sondern, ganz im Gegenteil, die Wirkung reicher Ernten sei. Er erklärte, daß die Pflanzen ihren Stickstoff, geradeso wie die Kohlensäure, der Luft entnehmen und nur die Aschenstoffe von der Erdscholle herstammen. Liebig war der Überzeugung, die "Dammerde" sei nichts anderes als ein funktionsloser Träger der mineralischen Pflanzennährstoffe. Sein Hauptsatz, die Nahrungsmittel aller grünen Gewächse seien ausschließlich anorganische Stoffe, entfachte jenen heftig geführten Streit um die Vorteile der Mineraldüngung, in dem sich immer mehr Forscher auf Liebigs Seite stellten, so daß kaum einer mehr wagte, die Humustheorie auch nur zu erwähnen.
Verweilen wir nun einen Augenblick und versuchen wir klarzustellen, was Humus eigentlich ist und was die Humustheorie lehrt.
Der Name Humus wurde zum ersten Male von dem Schweden Wallerius geprägt25) um die schwarze, fr
uchtbare Ackerkrume zu bezeichnen. Im modernen Sinne des Wortes ist Humus eine Mischung von sehr feinem kolloidalen, organischen Rückstand mit neugebildeten organischen, im besonderen Eiweißprodukten. Er ist im allgemeinen von dunkler Farbe und gut mit Mineralteilchen durchmischt. Bis heute ist es noch nicht gelungen, die genaue chemische Zusammensetzung der Humusstoffe zu analysieren, da der Humus seine Eigentümlichkeit verliert, wenn man die Struktur durch analytische Reagenzien und Prozesse ändert.
Die Optimalstruktur des Bodens wird als "Krümelstruktur" oder "Bodengare" bezeichnet. Bis zu einem gewissen Grade könnte man sie auch "natürliche Kolloidausflockung" nennen, denn die organischen Kolloide sind sowohl Basis als auch unentbehrliches Bindemittel der Einzelkömer. Aus diesem Grunde sieht ein guter Humus wie ein elastisches Schwammgewebe aus und fühlt sich auch so an26)
Die Rolle des Humus kann mit den folgenden drei Punkten zusammengefaßt werden.
l. Er reichert den Boden durch seinen Stickstoffgehalt an und führt dem Boden auch Phosphate, Magnesium und andere wichtige Nährstoffe zu.
2. Er verbessert die Bodenstruktur, erhöht die Wasserhaltekraft und die Luftdurchlässigkeit des Bodens und verhütet die Erosion.
3. Er verbessert die Lebensbedingungen für die Bodenlebewesen, welche nicht
nur die organischen Stoffe zersetzen, sondern auch an der Synthese der komplexen
Humusstoffe selbst teilnehmen.

Die Humustheorie, wie sie im Anschluß an A. Thaer aufgestellt wurde, besagt schlicht: Humus, ein Rottungsprodukt der Pflanzen, enthalte wichtige organische Nährelemente wie auch Stickstoff und Salze, die von der Pflanze durch ihre Bürzel aufgenommen werden.
Als es nun so aussah, als sei die Humustheorie endgültig erledigt, kam der Anstoß zu ihrer Wiederbelebung von ganz unerwarteter Seite. Einer der bedeutendsten Forscher, der Liebig voll und ganz in seiner agrarchemischen Anschauung unterstützte, war J.B. Boussingault (1802-18
87). Merkwürdigerweise war es aber eben derselbe, der den Auftakt zur Überholung der Liebigschen Doktrin gab. In einem, viele Jahre dauernden, Versuch konnte Boussingault nachweisen, daß Nitratbildung im Boden ganz unabhängig vom Stickstoffgehalt der Luft sei27). Diese Entdeckung ebnete den Weg zweier seiner Schüler, Th. Schloesin28) und A. Müntz29) den Beweis zu erbringen, daß im Lichte der Pasteurschen Keimtheorie betrachtet die Nitratbildung im Boden das Ergebnis der Mikrobentätigkeit sei. Und schon zwei Jahre darauf wurde es klar, daß nicht nur Bakterien eine Rolle in der Humusgenese spielen können. Der Däne P.E. Müller, der heute als einer der Väter der modernen Bodenkunde gilt, erkannte die Rolle der wirbellosen Tiere (und zwar nicht nur die der Würmer) in der Humusbildung30)
In den folgenden drei Jahrzehnten befaßten sich immer mehr Wissenschaftler mit den im Ackerboden lebenden Organismen. Darwin (1809-1882) studierte die Tätigkeit der Regenwürmer31) und Drummond (1851-1897) die der Termiten32) der Fruchtbarmachung der Ackerkrume. Deherain33) und Wollny34) untersuchten den Abbau der organischen Stoffe im Erdboden, sowohl vom biologischen wie auch vom biochemischen Standpunkt aus, und wiesen auf den Einfluß der physikalischen Faktoren auf die Intensität dieser Prozesse hin. Diese Arbeiten bewiesen, daß Humus eine Nahrungsquelle (hauptsächlich von Stickstoff) für Pflanzen ist, da durch Zersetzung die Nährstoffe in verfügbare Formen umgewandelt werden.
So wurde am Ende des vorigen Jahrhunderts das Rätsel des Stickstoffkreislaufes gelöst. Dies wurde möglich, weil man die alte Anschauung, der Ackerboden sei eine unveränderliche, anorganische Einheit, durch eine dynamisch-biologische Auffassung ersetzte. Um also die wichtige Rolle des Humus im Haushalt unserer Erde zu verstehen, muß man auch etwas über die Lebensgemeinschaften im allgemeinen, wissen.
Die ersten Beiträge zum Studium biologischer Gemeinschaften wurden von v. Humboldt (1769-1859)35) und A
.H.R. Gruebach 1814-1879)36) am Anfang des 19ten Jahrhunderts erbracht, waren aber ausschließlich den Pflanzengemeinschaften gewidmet.
Die Erkenntnis, daß auch Tiere in Gemeinschaften leben und, im besonderen, die Existenz der voll eingefügten Biozönosen war weitgehend das Ergebnis des Studiums der holsteinischen Austernbänke durch K.A. Möbius 1825-1907). Er prägte den Ausdruck Biozönose37), um auf das Zusammenleben von Pflanzen und Tieren in einem begrenzten, nahrungsbedingten Lebensraum zu verweisen, gab diesem Begriff die Deutung, die Biozönose sei eine Geselligkeit, die unter gleichen Lebensbedingungen entstehe, ohne daß die daran beteiligten Organismen sich gegenseitig beeinflußten. Später wurde dann erkannt, daß das ein Fehlschluß war, da die Organismen sich in zusammenlebende "Vereine" gliedern, in welchen Mitglieder nur miteinander leben können. Heute wissen wir, daß alle Lebewesen in Gemeinschaften eingeordnet sind.
In den Worten des amerikanischen Erforschers der Insektensoziologie, W.M. Wheeler (1865-1937): Alle Lebewesen sind Mitglieder eines gewaltigen lebendigen "Symplasma"38) welches, obzwar räumlich in Individuen getrennt, zeitlich doch fortlaufend ist. Die Lebewesen befinden sich nicht immerzu im Kampf und Wettbewerb um Nahrung, Geschlechtspartner und Schutz, sondern meistens wirken sie zusammen, um sich gegenseitig eben dieselben unentbehrlichen Lebens- und Entwicklungsbedingungen zu sichern39).
Francé, der durch das Studium des Planktons, der Korallenwelt und der Lebensgemeinschaft des Waldes tief zu den grundlegenden Prinzipien der Biozönosen durchgedrungen war, gründete einen neuen Zweig der Ökologie, den er die Biozönotik nannte. In seinem Sinne umfaßt eine Biozönose nicht nur die Organismen einer bestimmten Lebensstätte, sondern auch der leblosen Umweltfaktoren. Heute wird der Begriff als Biogeozönose oder Ökosystem angesprochen.

Prof. Dr. René R. Roth, London, Ontario, Kanada






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