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Provenzalische Verwicklungen

Ein Fall für Pierre Durand.
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Produktdetails

Titel: Provenzalische Verwicklungen
Autor/en: Sophie Bonnet

EAN: 9783641130619
Format:  EPUB
Ein Fall für Pierre Durand.
Random House ebook

17. März 2014 - epub eBook - 336 Seiten

Ein atmosphärischer Frankreich-Krimi - Jetzt der Serienstart für kurze Zeit zum Kennenlernpreis!

Sainte-Valérie, ein idyllisches Dorf in der Provence inmitten von Weinbergen und Olivenhainen. Der ehemalige Pariser Kommissar Pierre Durand würde den Spätsommer in seiner Wahlheimat genießen, wenn ihn nicht gerade seine Freundin verlassen hätte. Doch auch mit der dörflichen Ruhe ist es plötzlich vorbei: Der Lokalcasanova wird ermordet in einem Weinkeller aufgefunden - neben einem Rezept für ein Coq au vin. War es ein makabrer Racheakt eines gehörnten Ehemanns? Die Dorfbewohner halten fest zusammen. Und schon bald ahnt Pierre, dass sich hinter der schönen Fassade Sainte-Valéries ganze Abgründe auftun ...

Die »Pierre Durand«-Reihe:

Band 1: Provenzalische Verwicklungen
Band 2: Provenzalische Geheimnisse
Band 3: Provenzalische Intrige
Band 4: Provenzalisches Feuer
Band 5: Provenzalische Schuld
Band 6: Provenzalischer Rosenkrieg
Band 7: Provenzalischer Stolz

Alle Bände sind eigenständige Fälle und können unabhängig voneinander gelesen werden.
Sophie Bonnet ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Mit ihrem Frankreich-Krimi »Provenzalische Verwicklungen« begann sie eine Reihe, in die sie sowohl ihre Liebe zur Provence als auch ihre Leidenschaft für die französische Küche einbezieht. Mit Erfolg: Der Roman begeisterte Leser wie Presse auf Anhieb und stand monatelang auf der Bestsellerliste, ebenso wie die darauffolgenden Romane um den liebenswerten provenzalischen Ermittler Pierre Durand. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

1

»Noch einen Pastis?«

Pierre Durand sah unwillig auf, nickte und blickte zum elften Mal an diesem Abend auf sein Handy, ob nicht doch eine SMS oder eine Mail eingetroffen war. Aber außer einer Werbung für Potenzmittel war nichts gekommen.

Merde! Sie machte es ihm aber auch nicht leicht.

Er nahm das Glas mit dem Pastis entgegen und den Krug, den Philippe, Besitzer der Bar du Sud, ihm über den Tresen schob, und goss ein wenig Wasser auf den Anisschnaps, als das Handy klingelte. Vor Schreck füllte er zu viel ins Glas, und es schwappte über, doch bevor er sich über das Malheur ärgern konnte, griff er nach dem Telefon und riss es an sein Ohr.

»Celestine?«

»Hallo, Pierre, gut, dass ich dich erreiche«, antwortete eine männliche Stimme. »Ich habe gerade einen Anruf von einer Frau bekommen, die behauptet, ihr Freund sei verschwunden.«

Es war Luc Chevallier, sein Assistent, übereifrig wie immer.

»Herrje, hat das denn nicht bis morgen Zeit?«, sagte Pierre schärfer als gewollt. »Ich habe Feierabend.«

»Na ja, ich habe sie nicht beruhigen können, und jetzt steht sie hier …«

Im Hintergrund schluchzte jemand auf. Pierre rollte mit den Augen.

»Verdammt, Luc, du wirst doch wohl in der Lage sein, eine weinende Frau zu beruhigen?«

»Ja, aber …« Ein lautes Kreischen erklang. Der Telefonhörer wurde zugehalten, man hörte eindringliches Reden, dann raschelte es. »Bitte«, flüsterte Luc nun. »Sie will hierbleiben, bis wir etwas unternehmen.«

»Ist ein Mord geschehen?«

»Nein.«

»Ein Überfall, ein anderes Verbrechen?«

»Nein. Das heißt, vielleicht. Z
umindest behauptet sie es.«

»Dann geh der Sache nach.«

Luc seufzte hörbar. »Wie stellst du dir das vor? Ihr Freund ist ein stadtbekannter Casanova. Er hat sie versetzt, und ich kann mir schon denken, was er jetzt gerade treibt. Ein Protokoll habe ich bereits geschrieben und ihr gesagt, dass viele Vermisste noch nach Tagen auftauchen und sie übermorgen wiederkommen soll. Was soll ich denn noch tun? Diese Frau steht hier und droht die Wache zusammenzuschreien.«

»Na und? Ist ohnehin niemand außer dir dort.«

»Pierre!« Jetzt klang er wirklich verzweifelt. »Du weißt, ich kann mit hysterischen Frauen nicht gut umgehen.«

»Ruf Celestine an.«

»Hab ich schon versucht. Sie geht nicht ran.«

Klar, sie glaubt ja auch, dass ich sie anrufe, wenn sie die Nummer der Polizeiwache sieht, dachte Pierre und registrierte, dass es ihn mehr traf, als er es sich eingestehen wollte. »Ach, was weiß denn ich«, rief er laut aus. »Mit Frauen kann ich genauso wenig umgehen wie du, denk dir halt was aus.« Damit beendete er das Gespräch und schaltete das Handy aus. Sollten ihn doch alle mal am Allerwertesten …

»Ärger?« Philippe beugte sich über den Tresen und stellte ihm ungefragt einen neuen Pastis hin, dann wischte er mit einem Lappen, von dem Pierre nicht wissen wollte, was er noch so alles aufgesogen hatte, das Wasser vom Holz.

»Nicht mehr als sonst auch«, war die karge Antwort.

Nein, Pierre wollte nicht über den gestrigen Abend nachdenken. Weder über den Streit noch über Celestine. Sie würde sich schon melden, wenn sie sich beruhigt hatte. Und Luc …

Er leerte sein Glas mit einem Zug, warf ein paar Münzen auf den Tresen und verließ die Bar.

Luc war ein einfältiger Kerl. Fast dreißi
g und hatte dabei noch nicht einmal das Hirn eines Zwölfjährigen. Pierre konnte nicht verstehen, wie zum Teufel der Bürgermeister darauf gekommen war, ihm einen derart dämlichen Assistenten an die Seite zu stellen. Aber Sainte-Valérie sei zu klein für zwei gestandene Polizisten nebst Telefonistin, es sei ohnehin bereits diskutiert worden, die Station auf einen Mann zu begrenzen, es geschehe ja nichts außer den üblichen Kleinverbrechen, da lohne sich der Aufwand nicht. Was nicht stimmte, denn Pierres Bereich bezog auch die umliegenden Dörfer ein, und seit Künstler und Touristen die Gegend für sich entdeckt hatten, war auch der Bedarf an polizeilicher Präsenz gestiegen.

Doch erst nachdem ein Schweizer Industrieller die alte Poststation zum Luxushotel umfunktionieren wollte und eine einsatzstarke police municipale zur Bedingung machte, war umdisponiert worden – und nun war er hier, sein Assistent, und machte mehr Arbeit, als dass er sie ihm abnahm.

Nachdenklich schritt Pierre die Rue de Pontis entlang, von der man einen wundervollen Blick über die weite Ebene bis hin zum Luberon-Gebirge hatte, über dicht mit Früchten behangene Weinreben, von der Sonne ausgedorrte Wiesen und abgeerntete Lavendelfelder. An der hüfthohen Mauer stand ein Pärchen, er hatte seinen Arm um ihre Schultern gelegt, verträumt sahen sie in den tiefer sinkenden Sonnenball, der das Land mit einer milchig-sanften Decke umhüllte.

Mit einem zunehmenden Kloß im Magen hielt Pierre inne, holte sein Telefon hervor und schaltete es an, nur um festzustellen, dass einzig Luc eine Nachricht hinterlassen hatte. Enttäuscht schob er es zurück in die Tasche und setzte seinen Weg fort, ohne die Aussicht noch eines Blickes zu würdigen.

Pierre Durands Wohnung lag in einem alten Steinhaus, an dessen Fassade sich Efeuranken über die gesamt
e Fläche bis zu den oberen Fenstern ausgebreitet hatten. In regelmäßigen Abständen, wenn ihm das Ungeziefer zu viel wurde, das ihm über das Gestrüpp in die Zimmer krabbelte, nahm er eine große Schere und stutzte die Ranken so weit zurück, dass seine Vermieterin ihm mit Rauswurf drohte.

»Chef de police hin oder her, auch Sie haben sich an die Hausordnung zu halten«, schimpfte sie dann aufgebracht, während er einen neutralen Blick aufsetzte und wartete, bis das Gewitter vorübergezogen war. Mit ihr über Sinn und Unsinn von Hausordnungen zu debattieren, die es vorsahen, den Efeu bis in die Wohnung wuchern zu lassen, war zwecklos, das hatte er rasch bemerkt. Ohnehin wollte er hier nicht lange bleiben, er musste nur das passende Haus finden, für das seine Ersparnisse reichten, und das war nicht so einfach. Die Provence ist voller netter Häuschen, hatte er gedacht, als er hier ankam. Das war vor drei Jahren gewesen.

Ich sollte Farid anrufen, dachte Pierre, während er die Tür aufschloss. Farid war Tunesier und lebte seit seiner Geburt in Sainte-Valérie. Eigentlich hieß er Farid Ahmad Khaled Al-Ghanouchi, aber das konnte niemand aussprechen, und so stand auf dem Schild seines Maklerbüros schlicht und einfach Immobilier Farid.

Pierre legte den Schlüssel auf die Konsole im Flur, schaltete das Licht ein und ging in die Küche, wo er das Fenster öffnete und die himmelblauen Läden weit aufstieß. Die rostrote Abendsonne erhellte den Raum und beleuchtete unbarmherzig die Berge ungespülten Geschirrs.

»Du lebst ein typisches Junggesellenleben«, hatte Celestine ihm gestern vorgeworfen und auf die Unordnung gezeigt. »Sieh dich doch nur um. Wie soll eine Frau sich da wohl fühlen?«

Sie hatte die Hände in die Hüften gestützt und ihn mit beinahe schwar
zen Augen auffordernd angeblitzt. Dabei hatte sie ihn an eine dieser Furien aus den gezeichneten Witzen erinnert, die ihrem Mann mit dem Nudelholz drohten, wenn ihnen etwas nicht passte. Obwohl der Vergleich natürlich hinkte, denn Celestine war eine junge hübsche Frau, gerade mal dreißig. Doch es hatte ihn rasend gemacht.

»Wenn es dir nicht passt, kannst du es jederzeit ändern«, hatte er gedonnert. »Aber statt das Zeug einfach selbst wegzuräumen, baust du dich lieber davor auf und machst mir Vorwürfe.« Er hasste ständig krittelnde Frauen, und in jenem Moment war das Maß einfach voll gewesen. »Außerdem ist es kein Junggesellenleben. Ein Junggeselle lebt allein.«

»Eben.« Damit hatte sie ihre Sachen zusammengerafft und war ohne ein weiteres Wort aus dem Haus gelaufen.

Seufzend betrachtete Pierre die Teller und Tassen, Töpfe und Pfannen, räumte sie scheppernd in die Spülmaschine. Dann öffnete er den Kühlschrank.

Darin lagen ein Salat, den Celestine noch gekauft hatte, ein ungeöffnetes Paket Butter, Marmelade, luftgetrocknete Salami, Eier und Brot, das er am Vorabend hineingelegt hatte, weil das Verfallsdatum bald überschritten war.

Merde! Er hatte nicht vor, auswärts zu essen, also briet er sich ein paar Spiegeleier und verzehrte sie mit Brot und Salami. Morgen, so schwor er sich, würde er noch vor der Arbeit auf den Markt gehen, um frisches Obst und Gemüse zu kaufen, und damit den Beweis antreten, dass er kein typischer Junggeselle war.

Die Luft war noch kühl und klar, als Pierre am nächsten Morgen mit einem Korb in der Hand das Haus verließ und der Place du Village zustrebte, auf dessen Mitte jeden Dienstag ein Markt aufgebaut wurde. Es war eigentlich übertrieben, ihn als einen solchen zu bezeichnen, aber die Bewohner waren
stolz auf den überschaubaren Kreis vereinzelter Stände: ein Käsehändler, ein Honigstand, der Schlachter aus Cavaillon, ein Obst- und Gemüseverkäufer, der auch Oliven, Kräuter und Gewürze feilbot, und ein Stand mit allerlei Kram, von der Nudelpresse über gemusterte Tischdecken bis hin zum Kinderspielzeug. Da es ansonsten nur einen schlecht bestückten Krämerladen gab, drängte sich an den Markttagen der halbe Ort auf dem Dorfplatz, um sich nach getätigtem Einkauf ins Café le Fournil oder das Chez Albert zu setzen und den neuesten Klatsch...


"Ein Krimi zum Nachkochen: Köstlich! Dieser Krimi hat mir bestens geschmeckt."

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