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Am Fluß

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Produktdetails
Titel: Am Fluß
Autor/en: Esther Kinsky

EAN: 9783957570543
Format:  EPUB ohne DRM
Matthes & Seitz Berlin Verlag

25. August 2014 - epub eBook - 387 Seiten

Auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2014 Alte Fabriken, ärmliche Häuser, aber auch unverhoffte Streifen von Wildnis: eine Landschaft an der Grenze zwischen Stadt und Land, bevölkert von aus ihren Ordnungen gefallenen Menschen, wie sie das wahre Leben am Rande jeder Metropole prägen. In neun Etappen eines Spaziergangs in der Gegend um den River Lea im Osten Londons verfolgt Esther Kinsky die sich überlagernden Spuren ersönlicher Geschichte und urbaner Historie dieser Flusslandschaft und nutzt die Wildnis des Marschlands als Freiraum für Erinnerung und Reflexion. Der River Lea wird zur Grenzmarkierung und zugleich zu einem Wegweiser: Erfahrung und Wahrnehmung finden an ihm eine Schranke und ein Ziel. »Am Fluss« ist ein Buch über das Sehen, über Erkenntnis durch Betrachtung, in dem Esther Kinsky die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der Sichtbarmachung von Welt neu stellt.
Esther Kinsky, geb. 1956 in Engelskirchen, lebt in Berlin und in Battonya/Ungarn, nahe der Grenze zu Rumänien und Serbien. Schriftstellerin, Übersetzerin aus dem Polnischen, Russischen und Englischen. 2009 war sie für den Übersetzerpreis der Leipziger Buchmesse nominiert und erhielt den Paul-Celan-Preis.Zuletzt veröffentlichte sie den Roman Banatsko, der auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2011 stand, und den Essay Fremdsprechen, in dem Esther Kinsky das Verhältnis von Texten und ihren Übersetzungen reflektiert. Zudem erschienen im Herbst 2013 ihr dritter Gedichtband, Naturschutzgebiet, sowie, herausgegeben und übersetzt von Esther Kinsky, Lob der Wildnis von Henry D. Thoreau.

1


König


In der Zeit vor meiner Abreise aus London begegnete ich dem König. Ich sah ihn abends, im türkisen Dämmer. Er stand am Eingang des Parks und schaute nach Osten, dorthin, wo bereits ein tiefes dunstiges Blau aufstieg, während in seinem Rücken der Himmel leuchtete. Aus dem Schatten der Büsche am Tor kam er mit kleinen lautlosen Schritten an den Rand der Rasenfläche, über der um diese Tageszeit die vielen Raben des Parks aufgeregt kreisten.

Der König streckte die Hände aus, und die Raben sammelten sich um ihn. Manche ließen sich kurz flügelschlagend auf seinen Armen, seinen Schultern und Händen nieder, stiegen wieder auf, entfernten sich ein Stück, kamen zurück. Vielleicht wollte oder mußte jeder einzelne Vogel ihn einmal berühren. So, von den vielen Vögeln umgeben, begann er die ausgestreckten Arme in leichte Schwing- und Kreiselbewegungen zu versetzen, als wohnte in ihnen eine Erinnerung an Flügel.

Der König trug einen prächtigen Kopfputz aus starren brokatenen Tüchern mit einer federgeschmückten Spange, die den Stoff zusammenhielt. Sowohl die Goldfäden in dem Brokattuch als auch die Spange leuchteten noch im abnehmenden Licht. Er war in ein kurzes Gewand gekleidet, golddurchwirkte Borten lagen schimmernd um seinen Hals und seine Handgelenke. Das Gewand, das ihm bis zu den Oberschenkeln reichte, war blaugrün, aus einem starren, schweren, steifen Tuch mit eingewebtem Federmuster. Seine langen schwarzen Beine staken darunter hervor, sie waren nackt, die bloßen Füße, die mit ihrer Runzligkeit in seltsamem Gegensatz zu den jungenhaft dünnen sehnigen Knien und Waden standen und uralt wirkten, steckten in Sandalen mit Keilabsätzen. Der König war sehr groß, und er stand ganz g
erade inmitten der Vögel, während nur die Arme schwangen und kreisten, den Hals hielt er so aufrecht und reglos, als trüge er eine ganze Welt in seinem Kopfputz. Gegen den Himmel im Westen hob sich sein Profil ab, von dem ich nur sagen könnte, daß es königlich war, mit Erhabenheit vertraut, aber auch an Verlassenheit gewöhnt. Es war ein an seiner Erhabenheit traurig gewordener König, weit fort von seinem Land, in dem man ihn verstoßen oder verschollen glauben mochte. Nichts an seiner ganzen Gestalt stand im Zusammenhang mit der Landschaft ringsum: den hohen alten Bäumen, den späten Rosen dieses milden Winters, der unerwarteten Leere des Marschlands, das sich hinter dem steil abfallenden Hang des Parks auftat, als wäre die Stadt dort unvermittelt zu Ende. Er trat in großer Einsamkeit am Rand dieses von der großen Stadt etwas vergessenen Parks als König hervor, und nur die Vögel mit ihrem verebbenden Schnarren und schwarzen Flattern waren ihm verbunden.

Der Park war um diese Zeit leer. Die frommen Frauen mit ihren Kindern, die hier nachmittags spazierten, waren längst zu Hause wie auch die Chassidenjungen, die ich mittags gelegentlich hinter einem Busch nervös und kichernd rauchen sah, ihre Schläfenlocken zitterten, wenn sie froren, und sie zogen zu hastig an ihrer reihum gereichten Zigarette, wie ich an dem langen Stück roter Glut sah, das kurz vor jedem Mund stand, während aus den Fenstern ihrer Schule jenseits der Parkhecke Stimmengewirr und Kindersingen drang und vom Wind wie Wellen hierhin und dorthin getrieben wurde. Die Rosenbüsche, mit Ausnahme derer, die in diesem frostlosen milchigweißen Winter noch gelb-rosa Blüten hervorbrachten, trugen dunkelrote Hagebutten. Um die Tageszeit, wenn der König erschien, hingen die Hagebutten schwarz im aufziehenden Dämmer.

Am Fuß des Abhangs, hint
er Bäumen, floß der River Lea. Im Winter schimmerte das Wasser hell zwischen den kahlen Zweigen hindurch. Dahinter erstreckte sich das Marsch- und Wiesenland, nach Einbruch des Abends war es ein großer Handteller voll dunkler werdendem Dämmer, durch den sich ab und zu das Lichterschnürchen eines Zuges fädelte, der auf dem hochgelegenen Damm in Richtung Nordosten fuhr.

In den Straßen, durch die ich vom Park zu meiner Wohnung ging, war es gegen Abend still. Ab und zu eilte noch ein Frommer vorüber, machte einen Bogen um mich, seltener auch Kinder, immer hastig auf dem Weg zu einem Gebet, einem Treffen, einer Mahlzeit, einer Pflicht. Die Kinder schwenkten knisternde Plastikbeutel mit kleinen Besorgungen, vor allem Brote, die sich durch die dünne Folie abzeichneten. Samstags und an Feiertagen, wenn die Fenster bei schönem Wetter offenstanden, floß der Singsang von Tischgebeten auf die Straße. Geschirrklappern, Kinderstimmen, kleine Scharen Frommer pendelnd zwischen Bethaus und Zuhause. Abends standen die Männer im Schein der Straßenlaternen und lachten, ihre Gesichter waren gelöst, ein Festtag lag hinter ihnen.

Zurück in meiner Wohnung, stand ich am Erkerfenster im Vorderzimmer und sah zu, wie es Nacht wurde. Die Läden auf der gegenüberliegenden Straßenseite waren hell erleuchtet, bei Greengrocer Katz wurden bis in den späten Abend Kisten gepackt, die Bestellungen umsichtiger Hausfrauen für ihre Familien: Trauben, Bananen, Kekse, bunte Limonaden. Einmal in der Woche bekam Greengrocer Katz morgens die bunten Limonaden geliefert, palettenweise wurden die orangen, rosa und gelben Plastikflaschen aus einem Lastwagen gehievt und vom Gehilfen geschultert, um in die Hinterkammer des Ladens geräumt zu werden.

Neben Greengrocer Katz lag ein Billardcafé. Es war bis in den frühen Morgen geö
ffnet, im trüben Licht konnte man Männer erkennen, immer Schwarze, die zwischen Schwaden von Zigarettenrauch vorgebeugt und bedächtig um einen Billardtisch schritten oder sich konzentriert darüberlehnten. Vor dem Café hielten große Limousinen, Männer kamen und gingen, gelegentlich auch in Begleitung schöner und auffällig gekleideter Frauen. Es gab Schlägereien, einmal fiel ein Schuß, die Polizei erschien, dann eine Ambulanz, das Flackern des Blaulichts erfüllte mein Zimmer.

Ich hatte mich nach Jahren aus dem Leben, das ich in der Stadt geführt hatte, herausgeschnitten wie einen Schnipsel aus einem Landschafts- oder Gruppenfoto. Betreten über den angerichteten Schaden an dem Bild, das ich hinterlassen hatte, und ungewiss, wohin es diesen herausgeschnittenen Teil verschlagen sollte, lebte ich provisorisch. An einem Ort, wo ich niemanden in der Nachbarschaft kannte, wo mir die Straßennamen, die Ausblicke, die Gerüche und Gesichter unbekannt waren, in einer billig zurechtgezimmerten Wohnung, in der ich mein Leben vorübergehend abstellen wollte. Die Möbel und Kisten standen ungeordnet und wie vergessen in den kalten Räumen herum, unentschlossen wie ich, ungewiß, ob sich jemals wieder eine nützliche Ordnung der Wohnlichkeit einstellen würde. Wir, die Dinge, und ich, hatten das alte Haus an einem frühen blauen Morgen verlassen, als der Augustmond noch am helldunstigen Spätsommerhimmel stand, und lungerten nun hier im Osten Londons, mit Ausblick auf den Winter. Unermüdlich spielten wir versäumte Abschiedsszenen. Mit einer sich ins Endlose dehnenden Langsamkeit streiften in der Vorstellung Hände und Wangen aneinander, rundeten sich Tränen im Augenwinkel. Nicht endenwollendes Zittern der Unterlippe jedes beteiligten Buches, Bilds und Möbelstücks, zugeschnürte Kehlen stockten in jedem Winkel an ihre
m Laut, ein verschleppter Abschied, der schon Narbe war, bevor er zu Ende gebracht wurde, jede Sekunde ein Tag, jede Bewegung wie in tiefem Frost nur knirschend und in unsäglicher Schwerfälligkeit ausführbar.

Wenn ich schlief, träumte ich von Toten, meinem Vater, meinen Großeltern, Bekannten. In einer kleinen, mehrere Stufen über der Wohnungsebene gelegenen Kammer, die gerade so lang war, daß ich mich gelegentlich zum Schlafen auf dem Boden ausstrecken konnte, verbrachte ich Stunden mit dem Versuch, mir jede Einzelheit, die ich in Hof, Garten und dem kleinen Ausschnitt Straße zwischen zwei Häusern sehen konnte, einzuprägen, und ich lernte das Licht. Von August bis April las ich, was der große Ahorn auf die nur von einem einzigen Fenster unterbrochene Ziegelwand des nächsten Hauses am Ende des Gartens schrieb. Es war Spätsommer, es war Herbst, es war Winter, es wurde Frühling. Westwind, die Schatten der Blätter kritzelten etwas in Richtung Bahnstation, wo ein paar Meter hinter dem Garten auf den tiefgelegenen Gleisen alle Viertelstunde ein Zug hielt. Nordwind, selten, letztes Laub war ein unruhiges Flackern über der ganzen Wand im scharfen Licht, am Mittag lag der Schatten der Baumkrone klar gezeichnet wie die Landkarte einer fremden Stadt auf der Wand. Der Winter nach einem stürmischen Herbst war ungewöhnlich windstill, der kahle Baum stand in dem milchigen ebenmäßigen Licht als nur zu erahnendes Schattenbild auf der Wand und schrieb mir schwer zu entschlüsselnde Nachrichten wie aus großer Ferne, die aber wegen der stillen Gerechtigkeit dieses Lichts gegenüber all den schattenlos stehenden Dingen nicht traurig waren.

In den Nächten lag ich wach und lauschte auf die neuen Geräusche der Gegend. An der Bahnstation hinter dem Garten hielten die Züge mit einem langen schleifenden Stöhnen und S
eufzen. Mit der Zeit lernte...


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