Die Figuren scheinen dem Autoren René Sommer entgegenzukommen und zu antworten. Wer die Kurzgeschichten liest, begegnet nicht nur nahezu unüberschaubar vielen Menschen, sondern auch dem Eigensinn der Sprache, die sich so einfach anhört, dass man kaum merkt, wie bewusst und reflektiert die Worte gesetzt sind. Mit eigenwilligen Grundmustern interpretiert René Sommer die Elemente und die Gesetze des Erzählens neu. Bevor Johann Sebastian Huch dazu kommt, das Wort "Turm" zu schreiben, haben die Figuren bereits einen Turm aus Plastikbananen errichtet. In den Geschichten werden Welten aufgebaut, die üblicherweise verborgen bleiben und plötzlich sichtbar werden. So kann ein karibikblaues Delfinweibchen in einem chiliroten Minikleid auf Rollschuhen durch den Wald rasen, ohne Aufsehen zu erregen.
Der Leser braucht indes keine Übersichtsskizze, um die verwirrend vielen Figuren im Auge zu behalten. Ihre durchgehende unbeirrbare Lebensfreude verleiht ihnen eine unverwechselbare Persönlichkeit, die sich nie dazu verleiten lässt, andere Figuren von einer Unternehmung auszuschließen - gerade so, wie wir als Kind das Talent besitzen, uns selber zu gehören, das wir möglicherweise als Erwachsene verlieren. Beim Lesen von René Sommers Kurzgeschichten stehen die Chancen gut, dieses Talent und den eigenen unverstellten Blick auf die Welt zurückzuerobern.