Das recht schlichte Cover gefällt mir gut. Es ist stimmig zum Inhalt, denn es dreht sich im Kern um die Frage, ob das, was wir lesen, Fakt oder doch eher Fake ist.
Der Einstieg beginnt mit häuslicher Gewalt und ist ziemlich intensiv beschrieben. Ich spüre sofort einen Knoten im Bauch und finde die Szenerie wahrlich erschreckend. Wie der Prolog jedoch zu den kommenden Ereignissen passt, wird lange Zeit ein Mysterium für mich bleiben. Er sorgt zwar für Spekulationen auf meiner Seite, aber im Verlauf verliere ich ihn beinahe aus den Augen.
Der Schreibstil ist einfach, dafür prägnant und ermöglicht mir ein flottes Lesen. Ich komme ziemlich schnell voran, doch die Spannung entwickelt sich nicht mit. Sie bleibt eher moderat bis bedeckt und anfangs hege ich die Hoffnung, dass es an der Einführung der Geschichte liegt.
Der Kniff mit der Erzählperspektive gefällt mir, denn ich lerne die Hauptfigur Patrick kennen, der gleichzeitig als Ich- und personaler Erzähler fungiert. Diese interessante Mixtur sorgt dafür, dass ich auf das Kommende neugierig gemacht werde, auf der anderen Seite aber nur alles aus Patricks Sicht erfahre. Das nötigt mich, ihm zu vertrauen. Denn ich erfahre nur, was er denkt, fühlt und erlebt. Schon hier kann ich nicht entscheiden, was ist echt und was gelogen?
Patrick selbst ist eine Figur, mit der ich kaum warm werde. Seine Naivität und sein Verhalten, während sich die Verdachtsmomente gegen ihn häufen, sind so unverständlich, dass ich oft einfach nur den Kopf schütteln muss. Auf der anderen Seite ist seine Verzweiflung darüber, dass ihn immer weniger Menschen glauben berührend. Nur handelt er meist nicht danach, was es wieder schwer greifbar für mich macht.
Ein Logikfehler reißt mich kurzzeitig aus der Handlung, sodass ich mich erst wieder sammeln muss. Doch ich finde nicht so recht in die Story rein, denn viele Entwicklungen bei Fake sind vorhersehbar für mich und dämpfen die ohnehin schon recht magere Spannung erheblich. An sich ist die Unterhaltung gut, aber das Gelesene tangiert mich nicht und ich fühle mich mehr als entfernte Betrachterin, statt mitten dabei zu sein.
Die Dynamik von Fake ändert sich erst im letzten Drittel, als ein neues Erzählelement hinzukommt. Nun ist es möglich, einen größeren Überblick zu erhalten. Das belebt Fake und ich habe keine Idee, wie der Autor diese doch recht verzwickte Situation logisch auflösen möchte.
Das Ende ist überraschend, reißt mich aber leider nicht vom Hocker. Erwartet hatte ich ein feines Psychospiel mit vielen Thriller-Elementen, bekommen habe ich aus meiner Sicht lediglich einen Unterhaltungsroman. Fake ist eine nette Geschichte, mehr nicht. Zum Fan von Arno Strobels Werken macht mich das Buch leider nicht, aber ich werde einem anderen Werk von ihm noch eine Chance geben.
Fazit:
Fake ist für mich eine solide Geschichte, die mit einer spannenden Thematik hätte mehr Angst bei mir schüren dürfen. So hatte ich aber eher eine leichte Unterhaltung, die jedoch interessant zu lesen war.