
In der neueren Debatte um das Wechselverhältnis von Religion und Politik hat Japan bislang keine Rolle gespielt; zu Unrecht, wie der vorliegende Band zeigt. Japan dürfte das einzige Land mit polytheistisch geprägter Kultur sein, das dem Imperialismus erfolgreich Widerstand entgegensetzte. Mit dem Aufstieg zur Kolonialmacht und der Erhebung des Shintoismus zur Staatsreligion stellte es die Denkmuster europäischer Überlegenheit infrage. Die polytheistische Religion sollte in diesem Transformationsprozess die historische Kontinuität des neuen Staates verbürgen. Dabei stimmen die rhetorischen Strategien überraschend genau mit dem Rückgriff der deutschen Romantik auf vermeintliche , Ursprünge' überein. Religiöse Symbolsprachen sind interpretationsoffen gegenüber politischen Deutungen, auch quer zur Unterscheidung von poly- und monotheistischen Religionen. Dies zeigt der Band in fünf Fallstudien von Germanisten und Japanologen.
Inhaltsverzeichnis
Autorenverzeichnis. - Vorwort. - Einleitung: Religion in Japan. Einführende Darstellung und religionssoziologische Überlegungen zu ihrer Aktualität. - Polymythie und Monomythie um 1800 und welche Schlüsse man daraus vielleicht ziehen könnte: für Kunst, Kultur, Gesellschaft und Politik. - Der eine und die vielen Götter. Religionspolitische Diskurse in Japan und Europa um 1800 (und heute) . - Sind die
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übersetzbar? Überlegungen zu Jan Assmanns Kosmotheismus` und dem politischen Shint der Neuzeit und Moderne. - Wie unterstützte die Mythenforschung den Kolonialismus? Japan als polytheistischer Kolonialstaat. - Yakumo Lafcadio Hearn und der religiöse Nationalismus im Japan der ausgehenden Meiji-Zeit.
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