Gustave Flaubert: Gesammelte Werke vereint das zentrale erzählerische, ästhetische und intellektuelle Vermächtnis eines Autors, der die europäische Prosa des 19. Jahrhunderts grundlegend erneuerte. Von der unerbittlich präzisen Gesellschaftsanalyse in Madame Bovary über die historische Imagination in Salammbô bis zur skeptischen Enzyklopädie menschlicher Torheit in Bouvard und Pécuchet entfaltet sich ein Werk, das Realismus, Ironie und formale Strenge verbindet. Flauberts berühmte Suche nach dem mot juste prägt jeden Satz: Stil wird hier nicht Schmuck, sondern Erkenntnisinstrument. Flaubert, 1821 in Rouen geboren, wuchs im Milieu einer bürgerlich-medizinischen Kultur auf, deren Beobachtungsdisziplin und Skepsis sich in seiner Literatur deutlich niederschlagen. Seine Reisen in den Orient, seine Abneigung gegen bürgerliche Gemeinplätze und sein lebenslanges Ringen mit der Form führten zu einer Poetik der Distanz, in der der Autor scheinbar verschwindet, während die Welt umso schärfer sichtbar wird. Diese Sammlung empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die Literatur nicht nur als Handlung, sondern als Kunst der Wahrnehmung verstehen. Sie bietet Zugang zu einem Klassiker, dessen Genauigkeit, Modernität und intellektuelle Unruhe bis heute provozieren und bereichern.