Das Cover präsentiert einen prägnanten Felsen der Nordseeinsel Helgoland. Der Titel verrät Drama. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen: In einem roten Tagebuch geht es um historische Fakten ab dem 2. Weltkrieg mit sehr persönlich gehaltenen Kriegsszenen, Überlebensängsten incl. Verrat der mutigen Widerständler. Auf der Erzählebene der Jetztzeit geht es in einem Kriminalfall auch um die Würdigung damaliger Kriegshelden, um deutsche Vergangenheitsbewältigung. Die diversen, sehr unterschiedlichen Charaktere sind wenig sympathisch, denke man nur an den frauenverachtenden Journalisten Casimir Dorst, die Hotelbesitzerin Inge Berger oder an den Tourismus- Direktor. So dominant wie diese gut herausgearbeiteten Figuren agieren auch Harry Kruss, der Inselpolizist, und seine Ex-Kollegin Friederike von Menkendorf, zufällig auf Inselurlaub. Die Ermittlungsarbeit und Spurensicherung wirkt stellenweise sehr laienhaft und nebensächlich. Deren Privatleben wird ummantelt von viel Heimat- und Naturverbundenheit. Neben Fauna und Flora wird auch Touristisches eingeflochten. Einige sympathische Nebenfiguren sorgen für lebendige Wendungen z.B. bzgl. der SaveSisters-Bewegung, eines Orkans oder Schwarzgeldkonten. So wie der Roman durch interessante Hintergrundinformationen über das historische Helgoland punktet, gewinnt er auch durch seine lange unklare Täter- und Mordmotiv Situation bei angenehmem Schreibstil. Eine Lagekarte bzw. Skizze mit markanten Schauplätzen wäre hilfreich gewesen.
Manche Wiederholung oder auch unwichtige Tierabenteuer (von Kater und Hund) wirken hier im Krimi eher störend. Insgesamt informativ und unterhaltsam. 3,5*