Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl von Fabio Nola ist der zweite Band der Neapel-Krimi-Reihe. Der Fall steht zwar für sich alleine, dennoch würde ich raten, zuvor noch den ersten Band zu lesen.
Das Cover mit in einer Bucht liegenden Booten und dem Blick auf den Vesuv stimmt auf den Schauplatz des Krimis gut ein und vermittelt südliches Flair. Mir gefällt auch, dass es stilmäßig dem ersten Band angepasst ist. Das 2026 erschienene Buch ist in Abschnitte pro Ermittlungstag und hier wiederum in kurz gehaltene Kapitel unterteilt. Die Handlung spielt in der Gegenwart, primär während der Karwoche. Das Leben der Menschen in Neapel ist in die Krimihandlung facettenreich eingebaut, der Trubel und Feiertagsbräuche sind anschaulich beschrieben und ausführlich erklärt. Das Lokalkolorit äußert sich nicht nur sprachlich durch italienische Ausdrücke bzw. in Napulitano (Glossar ist vorhanden), sondern es wird an und für sich ein sehr lebendiges Bild der Stadt Neapel vermittelt, von Wetter, Gerüchen und Geräuschen angefangen über poetisch anmutende Stimmungen bis zu Schilderungen der Schattenseiten der Stadt, wo Kriminalität und Armut hausen. Die Protagonisten und Nebenfiguren verkörpern eine eigene Spezies von Menschen, eben Neapolitaner, die sehr tiefgehend charakterisiert sind.
Erzählt wird aus Sicht von Gaetano. Seine Person steht eindeutig im Mittelpunkt des Romans. Man kann nicht nur seine Ermittlungsschritte genauestens nachvollziehen, sondern auch seine privaten Gedanken und Empfindungen. Er steht einerseits dienstlich unter Druck, den Fall so rasch wie möglich lösen zu müssen, andererseits belasten ihn private Probleme schwer. Eigentlich wollte er mit seiner Familie Ostern feiern, doch eine angeschwemmte Leiche macht nicht nur seine privaten Pläne zunichte, sondern die des gesamten Teams, das nun während der Osterfeiertage arbeiten muss. Gaetano ist nach Befragung jener Menschen, die den Toten gut kannten, überzeugt, dass das, was auf den ersten Blick nach Selbstmord aussieht, keiner war. Selbstmord passt seiner Ansicht nach nicht zum Charakter des Opfers. Mit Unterstützung seines Teams widersetzt er sich seinem Vorgesetzten und verfolgt hartnäckig und eigensinnig sein Ziel, den Mörder zu finden. Die Mördersuche erweist sich als mühsam, ist von etlichen Irrwegen gezeichnet, wird durch Lügen und Intrigen behindert. Vor allem mit Hilfe seiner jungen Kollegin Beppa Bellucci, die als Tochter eines Fischers sich mit Meeres- und Windströmungen bestens auskennt, gelingt es ihm, nicht nur den Mörder ausfindig zu machen, sondern auch die komplexen Machenschaften des Mordopfers aufzudecken, die letztlich zu dessen Tod geführt hatten.
Mir hat an dem Krimi einerseits der Erzählstil sehr gut gefallen, der ein so realistisches Stimmungsbild von Neapel wiedergibt, andererseits der charaktervolle Commissario Gaetano und die einsatzfreudige, quirlige Beppa. Obwohl die Handlung eher ruhig verläuft, nicht von prickelnden riskanten Aktionen geprägt ist, ist sie bedingt durch unerwartete Wendungen unentwegt spannend. Ein interessanter Fall, der Lust auf weitere macht.