Die Armschienen der magischen Rüstung wurden gestohlen und wieder müssen die Dunak Tor und damit die alte Gruppe los, um sie zurück zu holen. Dafür begeben sich Godered und seine Mitstreiter nach Barkland und versuchen zu verhindern, dass der Träger der Armschienen mit seinem Söldnerheer die Bewohner abschlachtet.
Endlich geht das Abenteuer in Abladur in die nächste Runde und das Warten auf den lang ersehnten dritten Band hat sich wirklich gelohnt. Die Welt ist so wunderbar wie gewohnt und die Karten und Register ergänzen das Erlebnis perfekt. Dazu kommen die Zeichnungen und Anhänge zum Schluss, wodurch wir ein besseres Bild von der Welt und ihren verschiedenen Völkern bekommen. Auch das Cover, das dieses Mal ein anderes Motiv zeigt, ist schön. Ein kleiner Zusatz, der wenig mit dem Buch zu tun hat, aber Erwähnung verdient, sind die kurzen Videos bzw. Trailer über die erschienenen Bücher. Sie fassen nochmal alles zusammen und man kann sich die Charaktere besser vorstellen. Außerdem ist der Schreibstil wunderschön flüssig und ich bin geradezu durch die mehr als 400 Seiten geflogen. Es wurde wieder detailliert und wir konnten sogar mehr über die Umgebung, speziell das Barkland, und die verschiedenen Kulturen und deren Gepflogenheiten kennenlernen.
Wenn das Setting stimmt, müssen noch die Charaktere passen und das tun sie definitiv. Wie auch schon zuvor bekommen wir die Geschichte aus vielen verschiedenen Sichtweisen erzählt und alles zusammen wird zu einer beinahe perfekten Story.
Lanna - Die Priesterschülerin muss schon wieder mit den Dunak Tor durch die Welt reisen und ihre naive und beinahe kindliche Art geht immer mehr verloren. Sie beginnt die Ernsthaftigkeit der Gobarem besser einzuschätzen und hat ihren eigenen Wert. Ihre Verliebtheit zu Brinok wird auch zu einem großen Thema, doch sie gehen verschiedene Wege, was für mich persönlich ganz gut für sie ist. Außerdem ist ihre Perspektive im heiligen Tempel super wichtig, denn auch dort fangen Intrigen und Attentate an, den friedlichen Alltag zu stören.
Lanaris & Teraal - Beide haben weniger Screentime als davor bekommen, doch es ist immer wieder erfrischend, über ihre jetzige Situation, die ziemlich traurig ist, zu lesen und sie haben meine ganze Kraft für sich. Hier bin ich besonders gespannt, wie es sich im Folgeband entwickeln wird. Eine klitzekleine Liebesgeschichte bzw. Schwärmerei gibt es von Lanaris auch und ich habe immer noch die kleine Hoffnung, dass sie und Godered zusammenkommen (leider gibt es keinen Fanservice, aber Hoffen ist nie verkehrt).
Scholell - Ihn hat die Geschichte mitunter sehr übel mitgespielt und ich konnte seinen verloren gegangenen Stolz und Kraft und Ruhe förmlich selbst spüren. Seine Kapitel wurden sogar spannend und ich respektiere ihn als Vizeanführer. Ich mag einfach seine schlaue Art und wie er als einziger Ahlore für seine Kameraden, die eben keine Ahloren sind, einsteht.
Mefido & Ernwic & Gohan & Avanor - Sie sind schon fast die unwichtigsten Personen der Gruppe und man bekommt kaum etwas von ihnen mit. Schließlich gibt es sehr wenige Kapitel aus deren Sichtweise, wenn es überhaupt welche gibt. Das einzige interessante sind die Vorkommnisse in der Akademie und wie die Rassentrennung präsenter denn je ist, was übrigens auch ein aktuelles Thema ist, was schön und ehrlich in die Geschichte mit eingebaut wurde. Zwar kling das jetzt vielleicht kalt, dass es mich wenig interessiert, was aus ihnen wird, aber man kann es auch so sehen: Die Autorin hat es geschafft, dass ich für jeden einzelnen Charakter anderes mitfühle und in die einzelnen Geschichten eintauche und das allein ist bemerkenswert.
Brinok - Nun, seine und Godereds Werdegang ist wohl der emotionalste, tragischste und spannendste zugleich. Bei ihnen passiert von der ersten Minute, als sie in die Akademie gerufen werden, bis zum Barkland und schließlich zum Söldnerheer, so viel, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Gefiel Brinok mir in den ersten beiden Bände durch sein lautes und undurchdachtes Wesen nicht so, so hat sich das definitiv verändert und ich mag seine Charakterentwicklung sehr. Ich habe mit ihm getrauert, mit ihm gelacht und vor allem mit ihm gegen Fiochnan, der Träger der Armschienen gewettert. Mehr sage ich nicht, das wären sonst Spoiler, aber ich wünsche ihm nur das Beste.
Godered - Meinen Liebling habe ich mir natürlich zum Schluss aufgehoben. Auf seine Kapitel habe ich immer gewartet und sie herbeigesehnt und ich liebe es einfach, seine Gedanken zu erfahren und ihn zu begleiten. Er hat so viel Leid erfahren und muss auch jetzt, in solch brenzligen Situationen, der Anführer sein, dass man mit ihm mitfühlen muss. Auch er entwickelt sich von dem Eisklotz von früher in eine emotionalere Figur, sodass kleine Regungen sogar auf seinem Gesicht auftauchen. Besonders interessant ist seine Verbindung zu Magie und warum er so hervorgehoben wird und ich wüsste keine Antwort auf meine vielen Fragen. Hinzu kommt der fiese Cliffhanger am Ende und ich habe keine Ahnung, was jetzt passieren wird. Ich bange um sie alle, doch um ihn besonders.
Wie man merkt, überzeugt die Autorin besonders durch ihre charakterstarken Figuren in der gut durchdachten Welt. Aber auch die Story war spannend und actionreich und regt zum Weiterlesen an. Zugegebenermaßen wirkt der Diebstahl und das Zurückholen eines Teils der Rüstung klischeehaft, aber wir haben trotzdem einen roten Faden durch die Story und das Motiv ist auch gegeben. War die Story am Anfang eher mild und ist entspannt dahin geplätschert, wurde alle Action in die zweite Hälfte des Buches gepackt. Die Gobarem, die leider nur bedingt Aufmerksamkeit bekommen haben, bedrohen das ganze Reich und diese Drohung im Hinterkopf setzt die ganze Geschichte unter Spannung. Von vorne bis hinten war das Buch unterhaltsam und fesselnd und langsam erwarte ich schon gar nichts mehr anderes. Die Messlatte für den vierten Teil der Buchreihe ist höher denn je und ich werde das nächste Buch auf jeden Fall lesen. Von daher hat die Autorin alles erreicht, was sie wahrscheinlich wollte.
Insgesamt ist dieser Roman genauso gut geworden wie die Anderen und ich kann jedem Fantasy-Fan empfehlen, den ersten Band in die Hand zu nehmen und ins Reich Abladur zu reisen!