Auch das zweite Jahr an der Bloodwing-Academy verlangt Medra alles ab. Nachdem Blake sie verraten hat, sind sie nun aneinander gebunden, ohne ihr Blut könnte er nicht überleben. Der Drache Nyxaris, den sie versehentlich erweckt hatte, verhält sich abweisend, nachdem seine Macht einst im Krieg von den HIghbloods missbraucht wurde, hat er nicht vor, sich jemals wieder an einen Reiter zu binden. Allerdings verlangen die herrschenden Vampirclans genau das von Medra, denn nur wenn er gebunden ist, können sie die Kräfte des Drachen für ihre Zwecke nutzen - die Reiterin ist dabei nur eine mehr oder minder entbehrbare Spielfigur auf dem Schachbrett der mächtigen Highbloods.
"The Bond that Burns" von Briar Boleyn ist der zweite Band der Bloodwing-Academy-Reihe, der mich genau so gefesselt hat, wie der Auftakt, allerdings leider auch ganz ähnliche Schwächen aufweist. Wer neu in die Serie einsteigen möchte, sollte die Bücher in chronologischer Abfolge lesen, da die Ereignisse fortlaufend erzählt werden. Medra war mir nach wie vor sympathisch, Blake hingegen fand ich noch schlimmer als im ersten Band. Denn dort konnte ich ihm noch zugute halten, dass er (genau wie sie) gegen seinen Willen in die Verlobung hinein befohlen wurde und ihm seit Kindertagen anerzogen war, auf die Menschen herab zu sehen. Doch zwischenzeitlich hatte er sich selbst seine tiefen Gefühle für die Drachenreiterin eingestanden - was ihn trotzdem nicht davon abgehalten hatte, ohne ihr Einverständnis (und natürlich nur zu ihrem eigenen Schutz....) die lebenslange Blutbindung zu vollenden.
Wer glaubt, Mr. Arrogant Drakharrow hätte die Sommerferien eventuell genutzt, darüber nachzudenken, ob Medra vielleicht ganz zu recht wütend auf ihn ist, der täuscht sich gewaltig. Nein im Gegenteil, er ist irgendwie zu der Einschätzung gekommen, dass er sie nur noch etwas mehr unterdrücken muss, ehe sie sich wie ein braver Filzpantoffel unter seinen Füßen zusammen rollt - diese toxische Einstellung hat mich beim Lesen echt wütend gemacht. Seinen Charakter habe ich sehr widersprüchlich empfunden, vermutlich wollte die Autorin mit diesem Gebaren einen Protagonisten erschaffen, bei dem sich das Gute unter einer rauen Schale versteckt - gelungen ist ihr das in meinen Augen nicht wirklich, ich empfinde diesen Vampir beinahe schizophren in seinen wechselhaften Ansichten.
Trotz aller Kritik hat mich der Schreibstil und die Geschichte außerhalb dieser wirren Love/Hate-Beziehung gut unterhalten, für meinen Geschmack hätte der Drache und Medras Suche nach Informationen über ihn und seine Spezies allerdings gern etwas mehr Raum einnehmen dürfen. Dadurch war auch die Verteilung der Spannung für mich nicht ganz ausgewogen, der Alltag an der Akademie plätscherte etwas vor sich hin, zum Schluss überschlugen sich die Ereignisse dann beinahe. Das Ende - das meiner Meinung nach wirklich abrupt, gefühlt mitten im Satz, kam - hat mich auf jeden Fall neugierig genug zurück gelassen, dass ich wohl auch die Fortsetzung lesen möchte.
Fazit: Obwohl ich nun beim zweiten Band schon etwas mehr in die Welt der Highbloods eingetaucht war und Medra sehr mochte, hat sich die Geschichte für mich immer noch unrund angefühlt - eine große Rolle spielte dabei Blake und sein toxisches Verhalten. Dennoch hat mich das Buch gefesselt und auch Neugier auf den Folgeband geweckt.