Eines morgens glaubt die erfolgreiche Geschäftsfrau Tilda Finch ihren Augen nicht zu trauen ihr kleiner Finger ist verschwunden, spüren kann sie ihn jedoch noch. Als schließlich in kurzem Abstand das Ohr folgt, macht sie sich auf den Weg zur Ärztin ihres Vertrauens. Die stellt eine niederschmetternde, wenn auch nicht lebensbedrohlich Diagnose. Tilda leidet an dem sogenannten Unsichtbarkeitssyndrom. Die Ärztin macht ihr wenig Hoffnung auf Heilung, doch Tilda will nicht aufgeben und kämpft auf ihre ganz eigene Weise gegen diese Krankheit an. Schon bald merkt sie, dass sie durchaus nicht allein auf weiter Flur ist. Dieses Syndrom betrifft mehr Frauen in ihrem Umfeld als sie glauben kann
Die mir bis dato unbekannte australische Autorin Jane Tara hat laut Verlagsauskunft über 100 Kinderbücher veröffentlicht sowie Jugendbücher, Drehbücher und Romane geschrieben. Mit dem Roman Mit anderen Augen ist ihr ein wunderbar einfühlsamer und cleverer Roman gelungen, der die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Frauen jenseits der 50 thematisiert. Auch ich bin eine Frau über 50 und mir ist das Gefühl des Übersehens zu werden natürlich auch bekannt. In meinen Augen ist somit das Unsichtbarkeitssyndrom hierfür eine wunderbare Metapher.
Mit Tilda hat die Autorin eine sympathische Protagonistin geschaffen, die für ihre Rechte einsteht, aber gerne auch mal über sich selbst lachen kann. Der angenehme Schreibstil ließ mich nur so durch die Seiten fliegen, lediglich im letzten Drittel verliert der Roman für mich ein wenig an Tiefgang. Manchmal waren mir die geschaffenen Umstände einfach ein wenig zu viel. Dennoch ist es ein Buch, das vier solide Sterne verdient hat und zum Nachdenken anregt. Ich fand mich an vielen Stellen selbst in der Geschichte wieder und möchte es somit sehr gerne weiterempfehlen.