Seit das Buch erschienen ist, hat mich die Story inhaltlich gereizt und wegen des Plots interessiert. Irgendwann war ich sofort neugierig, zu erfahren, was hier passiert. Ist Beth wirklich tot oder ist das vielleicht am Ende noch eine ganz andere Wendung?
Das Lesen war sehr flüssig. Man stürzt schnell ins Geschehen, versucht die Namen den Figuren/Charakteren zuzuordnen und ab der ersten Seite aufmerksam auf alle Details zu achten. Die Schwestern, so unterschiedlich sie sind und sich verhalten, sind mir mehr und mehr ans Herz gewachsen. Das Buch schildert die Ereignisse aus ihren Sichten und aus unterschiedlichen Zeitsträngen. Für den Leser setzen sich dadurch immer mehr Puzzleteile zusammen und zugleich werden neue Charaktere und neue Fragen zu Motiven und Beziehungen offen. Diese Art hat mir beim Lesen gut gefallen und habe die recht kurzen Kapitel sehr entspannt gelesen. Obwohl es im Mordermittlungen und viele Verdächtigungen geht, stand für mich die Charakterbeschreibung stärker im Vordergrund. Gerade die Schwestern werden individuell skizziert und wirkten auf mich sehr authentisch, weshalb ich mich ihnen emotional nah fühlen konnte - jeder mal ein bisschen, mal ein bisschen weniger
Man fliegt nur so durch die Seiten, und ich habe selbst gemerkt, dass meine Verdächtigen mal zu Person A und dann eher zu B sprangen. Einige Wendungen habe ich erahnen können, andere nicht. Die letzten 150 Seiten gewannen deutlich an Spannung und brachten schließlich die letzten, entscheidenden Puzzelteile zusammen. Gerade das letzte Kapitel aus Beth Sicht und die Schlussseiten allgemein haben mich emotional mitgenommen. Nach dem Abschluss musste ich alles erst einmal sacken lassen, weil das, was der Leser empfindet, so zuvor auch als ein entscheidender Teil im Buch geschildert wurde und ich diesen Kreis in sich echt stark und durchdacht fand. Im Nachgang tue ich mich schwer, das Buch "nur" als Thriller abzustempeln. Es hat menschliche Tiefe und das beeindruckt mich. Gerade weil man dies bei diesem schrillen mädchenhaften Cover nicht unbedingt vermutet oder erwarten würde. Das Ende hat mir im Schreibstil wirklich verdammt gut gefallen! Der Weg dahin war teils etwas lang und mühsam. Ich verstehe, dass die Tiefe erst durch die Sidestorys entstehen konnte, aber trotzdem hätte ich mir ein bisschen mehr Nervenkitzel und Spannung vor dem Showdown gewünscht - daher definitiv eine tolle Umsetzung und 4 Sterne von mir! Für (m)ein absolutes Jahreshighlight hat es leider aus den beschriebenen Gründen nicht ganz gereicht, schade.
Mein Lieblingsfazit:
"Aber ich glaube, für Eltern sind die eigenen Kinder immer dir faszinierendsten Menschen, die ihnen je begegnet sind. Dad hat uns nicht ausgestellt - er hat uns so beschrieben, wie er uns sah. Als wären wir die schönste Geschichte, die er zu erzählen hatte." (S. 440)